In seinen jüngsten Texten skizziert Rem Koolhaas das Szenario eines Europa der Regionen, unentdeckter Landschaften und der Perspektive neuer Abenteuer der Modernität. Im einzelnen. Europa wird in den nächsten Jahrzehnten ein Kontinent sein mit nicht mehr ungebrochenem, dafür aber intelligentem Wachstum. Lag Europa nach dem 1. Weltkrieg danieder, geschüttelt von Wirtschaftskrisen und nationalen Rivalitäten, so ist es heute ein zusammenwachsender Kontinent, der wenigstens ansatzweise den Teufelskreis von Wirtschaftskrise und Eroberungskrieg zu überwinden sucht. Angesichts der Jugoslawienkrise kann man auch das bezweifeln. Dieses zusammenwachsende Europa wird ein Europa der Regionen sein. Bei diesem Europa der Regionen handelt es sich aber nicht um eine Renaissance der in den Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts untergegangenen Völker und Räume, sondern um das Europa des Gemeinsamen Marktes, wie es sich Region für Region und Verkehrskorridor für Verkehrskorridor über den Flickenteppich der Nationalstaaten Europas legt. Dieses Europa des Gemeinsamen Marktes wird Europa regionalisieren, aber nach ökonomischen Kriterien. Diese Entwicklungen lassen aber auch den Modernitätsbegriff nicht unberührt. Er verliert angesichts der Dynamik dieser Entwicklung seine frühere Bedeutung und Rolle. Er muß neu konstituiert werden. Neu bedacht werden muß dabei das Verhältnis von Modernität und gesellschaftlicher Modernisierung, von Avantgarde und Gesellschaft. In anderen Worten: Das Projekt der Moderne muß neu begonnen werden. Koolhaas sieht als ersten Schritt hierzu die Erkundung der Regionen an, die aus dem Gemeinsamen Markt erwachsen, und als zweiten Schritt die Erforschung der neuen Bauaufgaben, die die Regionalisierung Europas tragen. Die Erkundung und Erforschung dieser unbekannten Seite des Kontinents seine amerikanische Zukunft machen seiner Überzeugung nach die neuen Abenteuer der Modernität aus.