Akademie c/o

Brief der Akademie c/o an die Spitzenkandidaten der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2011


Betreff: Bebauung des Schinkelplatzes und zukünftige Vergabepraxis von Liegenschaften im öffentlichen Besitz

Als Kooperationspartner der Akademie c/o veröffentlichen wir im Folgenden einen Auszug aus dem Brief der Akademie c/o an die Spitzenkandidaten der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2011:

Die Akademie c/o setzt sich seit drei Jahren mit der Raumproduktion in der Berliner Republik auseinander. Als Architekten, Stadtplaner, Bauherren, Architektur- und Kulturwissenschaftler, die sich mit der baulichen Zukunft Berlins praktisch wie theoretisch auseinandersetzen, nehmen wir den Umgang der Stadt mit ihrem Grund und Boden als blinden Fleck der Stadtpolitik wahr. Die Entscheidungsprozesse und politischen Ziele bei der Vergabe von Liegenschaften werden der Öffentlichkeit nicht offenbart oder lassen sich nur äußerst schwer erschließen.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat gemeinsam mit dem Liegenschaftsfonds Berlin ein Bieterverfahren für sieben, mehrheitlich in Besitz des Bundes befindliche Grundstücke am Schinkelplatz in Berlin Mitte eröffnet, die entsprechend des Bebauungsplans von 2006 in Orientierung am historischen Stadtgrundriss zu bebauen sind.

Mit Ablauf der Frist für das Bieterverfahren hat eine in Gründung befindliche "Baugesellschaft Am Schinkelplatz" – ein "Zusammenschluss von [38] interessierten Bürgern, die [...] am Schinkelplatz ihren Wohnort finden wollen" – ihr Angebot öffentlich gemacht (www.am-schinkelplatz.de). Dieses weicht in mehrfacher Hinsicht von den der Ausschreibung zugrunde liegenden Bebauungs- und Rahmenplänen ab: Auf vier (statt sieben) Parzellen sollen freistehende (statt blockrandständiger) Stadtvillen mit einer um 5.000 qm erweiterten Nutzfläche entstehen; gleichzeitig soll aus Mitteln der "Baugesellschaft" die Wiedererrichtung der Bauakademie realisiert werden. Der geschätzte Marktwert der zusätzlichen Nutzfläche übersteigt dabei das veranschlagte Budget für die Errichtung der Bauakademie deutlich. Soweit den öffentlich zugänglichen Informationen zu entnehmen, befände sich eine nach Text des Angebotes errichtete Bauakademie nachfolgend in Besitz der "Baugesellschaft".

In diesem Zusammenhang bitten wir als Wahlentscheidungshilfe um Erklärung Ihrer politischen Pläne bezüglich der Bebauung des Schinkelplatzes und der von Ihnen im Falle eines Wahlsieges geplanten, zukünftigen Vergabepraxis von Liegenschaften im öffentlichen Besitz.

Vollständigen Brief herunterladen.

 

Was ist Raumproduktion der Berliner Republik?

Auslobung
Die Ausloberin erhofft sich Beiträge zum philosophischen, soziologischen und kulturwissenschaftlichen Metadiskurs zur Raumproduktion, die sich gleichzeitig auf architektonische Phänomene und Situationen der Berliner Republik beziehen. Der Begriff Berliner Republik bezieht sich nicht nur auf die Stadt Berlin, sondern im Gegensatz zur Bonner Republik auf die Zeit seit 1989, bzw. seit dem Hauptstadtbeschluss von 1991. Raumproduktion der Berliner Republik beinhaltet also auch Phänomene in ländlichen Gebieten, anderen Städten, sowie übernationale Phänomene, die unsere Verhältnisse beeinflussen.

Die Akademie c/o geht von einem weiten Architekturbegriff aus, dessen Grundüberzeugung lautet, Architektur ist das Ordnen von sozialen Beziehungen durch Gebautes.

Zur Beantwortung dürfen maximal 15.000 Zeichen verwendet werden und maximal zwei Abbildungen im Format DIN A5. Text in deutscher Sprache. Die Teilnahmebedingung ist voraussetzungslos. Jurymitglieder sind Arno Brandlhuber, Silvan Linden, Anh-Linh Ngo und Christian Posthofen.

Es wird ein Preisgeld von insgesamt 3.000 Euro vergeben. Ein erster Preis von 2.000 Euro, ein zweiter und ein dritter Preis von je 500 Euro.

Einsendeschluss ist der 16. Oktober 2010. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Einsendungen sind als PDF oder Word-Dokument zu richten an: mail@akademie-co.org. Die Einsender willigen in die Veröffentlichung der Beiträge auf der Webseite der Akademie c/o sowie in Printmedien ein.

Weitere Informationen finden sich unter www.akademie-co.org.

 

Raumproduktion der Berliner Republik

akademie-co.gif

Temporäre Kunsthalle Berlin / Neuer Berliner Kunstverein
Vortragsreihe mit Seminaren zur Raumproduktion der Berliner Republik

Vor 15 Jahren erschien ARCH+ 122 unter dem polemisch zugespitzten Titel „Von Berlin nach Neuteutonia“. Darin zeichneten sich mit dem „Neuen Berlin“ und der „Berlinischen Architektur“ in architektonisch-urbanistischer Hinsicht die gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen ab, die später unter dem Begriff der „Berliner Republik“ subsummiert werden sollten. Im Heft fragt ein sichtlich irritierter Heinrich Klotz: „Wer macht das? Was sind das für Architekten? Was sind das für Politiker, die sich da formieren und uns ein solches Berlin der Zukunft anbieten, das ein Berlin der Vergangenheit ist.“ Nach 15 Jahren sind seine Fragen weiterhin aktuell. Denn angesichts des Versuchs der Remythologisierung der Berliner Architektur verschlug es selbst dem beredten Klotz damals die Sprache: „Architektur muss wieder tragen und lasten, Schwere muss wieder zum Ausdruck kommen und sogenannter „Charakter“ da sein. Das heißt, am Ende muss Macht sichtbar sein. […] Man könnte fast weinen. Es ist eine solche Hilflosigkeit darin. Es wird versucht Ausdruck und Bedeutsamkeit zu schaffen – und es bleibt einem das Wort im Halse stecken.“

Mit der neuen Veranstaltungsreihe „Raumproduktion der Berliner Republik“, die die „Akademie c/o Temporäre Kunsthalle Berlin“ in Kooperation mit ARCH+ in den kommenden zwei Jahren durchführen wird, wollen wir uns aus dieser Sprachlosigkeit befreien. Der Titel dieser Vorlesungs- und Seminarreihe ist somit zugleich die zentrale Fragestellung der temporären Akademie, die vom Masterprogramm a42.org der Akademie der bildenden Künste Nürnberg und der Buchhandlung Walther König in Kooperation mit ARCH+ initiiert wird.

Von einem politischen Erkenntnisinteresse geleitet, reflektieren eine Reihe namhafter Dozenten verschiedener Bereiche der Kulturwissenschaften unterschiedliche theoretische Modelle, die in den anschließenden Seminaren als Grundlage gesellschaftlichen Handelns diskutiert werden. In unmittelbarer Reaktion auf den besonderen Veranstaltungsort – die Temporäre Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz – behandeln Vorlesungsreihe und nachfolgende Seminare den übergeordneten Gesichtspunkt der „Raumproduktion der Berliner Republik“. U.a. sind folgende Dozenten vorgesehen: Gottfried Böhm, Hartmut Böhme, Helmut Draxler, Brigitte Franzen, Tom Holert, Helga Lutz, Rolf Schieder, Stefanie Wenner und Slavoj Zizek.

Die Akademie c/o hat eingeschriebene Teilnehmer, ist gleichzeitig aber öffentlich, d.h. jeder, der die Veranstaltungen der Akademie c/o besucht, ist in diesem Moment auch Mitglied der Akademie. Werden Sie Akademie-Mitglied und tragen sich online ein:
http://www.akademie-co.org.

Akademie c/o ist ein Projekt des Masterprogramms a42.org der Akademie der bildenden Künste Nürnberg (Arno Brandlhuber, Silvan Linden) und der Buchhandlung Walther König (Christian Posthofen) in Kooperation mit ARCH+.

 

Veranstaltungs-Archiv

16. März 2010, 19.00 Uhr
Brigitte Franzen und atelier le balto:
Zur aktuellen Landschaftstheorie

Was ist eine schöne Landschaft? Diese oder ähnliche Fragen werden in einem disparaten Feld verhandelt, das zwischen ästhetischer Theorie und praktischer Gestaltung, Kunst und Architektur, Film und Cultural Landscape Studies angesiedelt ist und zudem zwischen Expansionsdrang und Umweltschutz changiert. Unser heutiger Bezug zur Stadt hat darüber hinaus vielerlei Begriffe von Landschaft hervorgebracht. In jedem Fall handelt es sich um einen kulturell codierten Begriff, der sich durch globale Bildwelten und Ästhetiken immer mehr auszudifferenzieren und gleichzeitig zu vereinheitlichen scheint. Wie gehen Landschaftsarchitekten wie atelier le balto mit dieser Situation um? Wie sehen aktuelle Gestaltungskonzepte von Landschaften insbesondere im Umfeld von Kunsthäusern aus? Und nicht zuletzt: Wie verknüpfen sich hier Landschaftstheorie und kuratorische Praxis?

Brigitte Franzen ist seit 2009 Direktorin des Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen. 2007 war sie Kuratorin der skulptur projekte münster 07, einem der wichtigsten internationalen Referenzprojekte für Kunst im Öffentlichen Raum. In ihren Forschungen befasst sie sich mit dem Verhältnis von Kunst und Landschaft und der zeitgenössischen Theorie der Landschaft. Zahlreiche Publikationen sind von ihr zu diesem Themenbereich erschienen. 2010 hat sie atelier le balto eingeladen, den Park des Ludwig Forum in Aachen neu zu gestalten.

atelier le balto sind die Landschaftsgestalter Marc Pouzol, Véronique Faucheur und Marc Vatinel, die seit mehr als 10 Jahren mit ihren ungewöhnlichen Projekten auffallen. Ihr Büro ist in Berlin und Le Havre situiert. Eine Besonderheit der Arbeit von atelier le balto liegt in der Gestaltung der Gärten von Kunst- und Kulturinstitutionen, wie z.B. der Jardin Sauvage am Palais de Tokyo in Paris, der Garten der Kunst-Werke in Berlin oder der Garten von Frac Lorraine in Metz. Zur Zeit arbeiten sie u.a. an der Umsetzung von Projekten für die Villa Romana in Florenz und das Ludwig Forum in Aachen.


18. Februar 2009, 19.00 Uhr
„Zivilreligiöser Ritualwandel am Beispiel des Ehrenmals für die Toten der Bundeswehr im Hof des Verteidigungsministeriums.“

Eine Architekturkritik aus theologischer Sicht von Prof. Dr. Rolf Schieder, Theologische Fakultät der Humboldt Universität, http://www.religion-and-politics.de

Am Beispiel des zur Zeit in Bau befindlichen Entwurfs von Andreas Meck Architekten für das Ehrenmal der Bundeswehr behandelt die Vorlesung die Themen: Symbolsprache des Raumes, Rituelle Orte und Staatseigene-Zivilreligiöse Rituale. Das anschließende Seminar fragt nach der Dialektik von Bildregie und politischer Absicht.


Mit freundlicher Unterstützung von

FSB


ARCH+ features. Eine Diskursplattform von ARCH+ und Siedle

Anlässlich des Erscheinens der 200. Ausgabe haben ARCH+ und Siedle als Initiativpartner sowie weitere namhafte Förderer das neue Format als Experimentierraum für junge Gegenwartsarchitektur und Architekturkritik ins Leben gerufen. Mit der Reihe setzen ARCH+ und Siedle zudem den im ARCH+ Schwellenatlas begonnenen Schwellendiskurs fort.
 

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!