ARCH+ 168


Erschienen in ARCH+ 168,
Seite(n) 50-51

ARCH+ 168

Es grünt so grün

Von Halik, Ümut /  Küchler, Johannes

Chinas Stadtgrün
Gleichgültig ob an Werk- oder Feiertagen, der Außenraum chinesischer Städte wird zu jeder Tageszeit für typische Aktivitäten wie Tai Ji-Übungen, Kampfsport, Gesellschaftstanz, musikalische Übungen oder für alltägliche wie Joggen, Spazierengehen, Gesellschaftsspiele gut genutzt. Überraschend, gelegentlich überwältigend ist auch der materielle Aufwand, mit dem diese Orte inszeniert werden durch Blumenarrangements, Steinmetzarbeiten, Denkmäler, Zierrasen, Wasser- und Lichtspiele sowie Installationen für elektronische Unterhaltung. Inwieweit können die aktuellen Bemühungen um das Stadtbild und insbesondere um die Stadtbegrünung als Abbild einer spezifischen historischen Situation gewertet werden? Imponiergehabe Die Ästhetik der chinesischen Städte ist geprägt vom Imponiergehabe einer jungen Industriegesellschaft. Überall spürt man den Druck des Aufholens und Überholens als Wunsch nach internationaler Anerkennung. Es läßt sich, vergleichbar mit dem sozialen Ferment des wilhelminischen Deutschlands, bei den Trägern und Repräsentanten dieser nachholenden Industrialisierung eine widersprüchliche Bewußtseinslage feststellen: einerseits sich zu beziehen auf die international tonangebende ‘Leitkultur’, andererseits sich im Gegensatz zu dieser wahrzunehmen als Vertreter einer eigenständigen Nationalkultur. Läßt sich diese pauschale Aussage auch für das Stadtgrün belegen? Aus einem zweiten Blickwinkel ist zu fragen, ob nicht im zeitgenössischen China das Stadtgrün als Instrument zur sozialen Befriedung verstanden wird, um mit seinem Einsatz die Lösung von Umwelt- oder sozialen Problemen zu suggerieren.
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