ARCH+ 201/202


Erschienen in ARCH+ 201/202,
Seite(n) 162-163

ARCH+ 201/202

A Face in the Crowd – Katharina Grosses Künstlerhaus

Von Ursprung, Philip

Als ich an einem Abend im Dezember vom Flughafen zum Atelier von Katharina Grosse fahre, durchquere ich eine jener Randzonen, die Berlin so unwiderstehlich machen. Das Taxi fährt den Westhafen entlang, einst der größte Binnenhafen Deutschlands und bis heute ein lebendiger Umschlagplatz. Der Hauptbahnhof und das Regierungsviertel sind nicht weit, aber näher liegt das Gefängnis und mit ihm die Vergangenheit von Moabit, welches einst das preußische Kasernenareal war. Die Gegend ist durchsetzt von Baumärkten, Autowerkstätten und Industriebrachen. Im Unterschied zu gentrifizierten Bezirken wie Berlin-Mitte ist die Nacht dunkel, die Straßen sind fast menschenleer. Es ist ein terrain vague, dessen Bedeutung noch nicht fixiert und an dem noch alles möglich ist. Ein Ort der Anachronismen, an dem die Zeiten abrupt aufeinanderprallen und die Brüche sichtbar bleiben, welche die Stadt in ihrer Geschichte erfahren hat...

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