ARCH+ 214


Erschienen in ARCH+ 214,
Seite(n) 2-5

ARCH+ 214

Kein langer Ton in vor Klarheit erzitternder Luft

Von Trüby, Stephan

Über vier jüngere Publikationen zu Oswald Mathias Ungers Gottfried Semper nahm kein Blatt vor den Mund, als er Jean-Nicolas-Louis Durand in seiner frühen Schrift ‚Vorläufige Bemerkungen über die bemalte Architectur und Plastik’ (1834) einen „Schachbrettkanzler für mangelnde Ideen“ schimpfte. Vielleicht stößt er derzeit aus dem Jenseits wieder vergleichbare Sottisen aus, und zwar in Richtung jenes Architekten, der im ausgehenden 20. Jahrhundert das Konzept der Architektur gewordenen Bekleidung wohl am radikalsten hinter sich gelassen hat: Oswald Mathias Ungers (1926–2007). Man müsste in diesem Fall OMU allerdings gegen Semper in Schutz nehmen, denn „mangelnde Ideen“ hatte Ungers, dem selbst seine schlimmsten Gegner zumindest genau eine zugestehen, nämlich die Rückführung des Bauens auf die Grundform des Quadrats, nun wirklich nicht. Der „Quadratkanzler für mindestens eine Idee“ war sich seines Reduktionismus voll bewusst: Die Kosmetiklosigkeit wurde ihm zum Kosmos der Architektur. So lautete auch der Titel der Ausstellung, die die Staatlichen Museen Berlin anlässlich von OMUs 80. Geburtstag in der Neuen Nationalgalerie 2006/07 ausrichteten. Am 30. September 2007, wenige Monate nach Ende der Schau, starb Ungers. Seither sind vier bemerkenswerte Publikationen zu seinem Werk erschienen, die den einen Ungers mit dem einen Kosmos in Abrede stellen und – mit völlig unterschiedlichen Akzenten – deutlich machen, wen man verloren hat: Deutschlands wichtigsten, weil komplexesten und national wie international wirkmächtigsten Architekten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. ...

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