ARCH+ 214


Erschienen in ARCH+ 214,
Seite(n) 8-9

ARCH+ 214

Ludwig Leo - Ausschnitt

Von Reese, Achim

Ludwig Leo ist der große Unbekannte unter den West-Berliner Architekten. Nahezu unmöglich erscheint es, sein schmales Werk, das ausschließlich in den 1960er und 70er Jahren entstand, einzuordnen, es einer Schule oder Strömung zuzurechnen. Und auch der Blick auf seine prominenten Schüler hinterlässt Ratlosigkeit: Weder der rationalistische Minimalismus eines Max Dudler noch das Schaffen Christoph Langhofs, der Freizeitparks in Russland und ein Hochhaushotel am Bahnhof Zoo plant, lassen einen unmittelbaren Zusammenhang zum Werk Leos erkennen. Unter den Bauten Leos ist es vor allem der Umlauftank der TU Berlin, die „Rosa Röhre“, die Bekanntheit erlangt hat. Sollte man die Anlage der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau überhaupt als das Werk eines Architekten erkennen, lässt die Maschinenästhetik vermuten, dass es sich um das Werk eines ausgemachten Konstruktivisten handelt; von einem, der Spaß hat an ingeniösen Taschenspielertricks. Und dann drängt sich die Analogie auf zwischen dem Tank, der gleich einem sonderbaren Insekt auf 14 schlanken Beinen steht, und den historistischen Säulen des Charlottenburger Tors. Also doch die Ironie eines abgebrühten Postmodernisten? Genauso mutet ja auch die Ringröhre wie die Haut eines Elefanten an – wenn sie nicht eben rosa gestrichen wäre. Weiterhin gibt Ludwig Leo Rätsel auf. Aus Anlass aber der Sanierung des Umlauftanks, finanziert von der Wüstenrot Stiftung, gewährte die Ausstellung Ludwig Leo – Ausschnitt Einblicke in die Arbeitsweise des Architekten. …

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