ARCH+ 215


Erschienen in ARCH+ 215,
Seite(n) 7-8

ARCH+ 215

Form, Follies, Function

Von Rumpfhuber, Andreas

Gwangju Folly II. Kuratiert von Nikolaus Hirsch, Philipp Misselwitz und Eui Young Chun

„Form, Follies, Function“ ist ein ironisches Wortspiel Hans Holleins in Form von vier Grafiken, die sich im Begleitbuch zum zweiten Gwangju Folly Projekt (Hatje Cantz 2013) finden. Sie waren ursprünglich Teil der von B. J. Archer kuratierten Ausstellung in Los Angeles und New York zur Folly: Architecture for the Late-Twentieth-Century Landscape. Die Ausstellung versammelte Beiträge unter anderem von Peter Cook, Ricardo Bofill, Michael Graves, Peter Eisenman, Frank Gehry, Rafael Moneo und nicht zuletzt Bernhard Tschumi. Dessen rote Raumstrukturen für den Parc de la Vilette waren eine postmoderne Neuinterpretation der follies, also der historischen Bauwerke im englischen und französischen Landschaftspark des 18. Jahrhunderts. Die follies von Bernhard Tschumi markieren den Höhepunkt im Gebrauch dieser queeren architektonischen Typologie im späten 20. Jahrhundert. Die 26 schillernden Stahlgebilde nehmen verschiedene kulturelle Funktionen und Freizeitaktivitäten auf und organisieren das komplexe Programm des Parks. Sie können als Kristallisationspunkte für die Entwicklung und Neuordnung des ehemaligen Schlachthofgebietes von Paris gedeutet werden. Holleins rhetorische Verdrehung des Sullivan’schen Diktums kommentiert unbewusst (?) die neue Aufgabe dieser architektonischen Verrücktheit im ökonomischen Kontext der 1980er Jahre. Ein folly ist nicht länger nur ein verrücktes Gebäude in einem Park. Das Spielerische, die Nutzlosigkeit, das Lüsterne und die symbolische Effizienz der historischen Typologie der europäischen Landschaftsarchitektur werden für eine nunmehr globalisiert gedachte Welt als positive Zeichen für Stadtentwicklung, für die Regeneration oder gar Gentrifizierung eines urbanen Gebietes benutzt und aktiviert. Dies ist explizit auch das Meta ­ Programm des Folly Projekts der südkoreanischen Stadt Gwangju, in der seit 1995 die älteste Kunstbiennale Asiens stattfindet. 2011 wurde die Kunstbiennale durch eine Designbiennale erweitert und das Gwangju Folly Projekt ins Leben gerufen. Die Initiatoren des Projektes sprechen offen über ihr legitimes Ziel. Sie wollen mit den follies das alte Stadtzentrum revitalisieren. Die Intention ist es, mit weltberühmten Designerinnen und Designern einen einzigartigen, kulturellen Mehrwert für Gwangju zu produzieren, der als Katalysator für eine positive urbane Entwicklung dienen soll. …

 

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