ARCH+ 215


Erschienen in ARCH+ 215,
Seite(n) 10-13

ARCH+ 215

Die Entrückung der Architektur oder: Eine neue kontemplative Tendenz

Von di Robilant, Manfredo

Es ist mir nicht unbekannt, daß viele der Meinung waren und noch sind, daß die Dinge dieser Welt so sehr vom Glück und von Gott gelenkt werden, daß die Menschen mit all ihrer Klugheit nichts gegen ihren Ablauf ausrichten können, ja, daß es überhaupt kein Mittel dagegen gibt. Niccolò Machiavelli: Der Fürst, Kapitel XXV

A.: Was soll ich also tun?
 P.: Eifere denjenigen nach, die, wenn sie blind sind, sehen, wenn sie reue verspüren, auf ihrem Standpunkt beharren, wenn sie leiden, Freude empfinden, wenn sie schreien, still sind, wenn
sie verloren sind, sich finden, wenn sie verneinen, zustimmen, wenn sie fortgehen, dableiben,
wenn sie gefangen sind, frei sind, wenn sie hunger haben, satt sind, wenn sie tot sind, wieder zum Leben erwachen.
 A.: Diese Schönheit der Worte entsprießt den rasereien von euch Philosophen und nicht dem Baum der Wahrheit.
 P.: Gäbe es die Philosophie nicht, so gäbe es
auch keine Vernunft, deren Gewissheiten ich dir verkünde und immer verkünden werde. Armileo im Gespräch mit seinem Lehrer Peno. Pietro Aretino: La Talanta, 2. Akt, 10. Szene

Die Vorläufer: 
Fatalismus vs. Machiavellismus


Die Moderne hörte in den 1960er Jahren auf, eine einheitliche Bewegung zu sein, die eine Aura des Fortschritts ausstrahlte. Seitdem scheinen sich alle Strömungen der Architektur zwischen zwei gegensätzlichen Positionen zu bewegen. Die erste Position könnte man als fatalistisch charakterisieren, die zweite als machiavellistisch. Beide Positionen entsprangen der Trauerarbeit um den „Tod der Götter“, der Erkenntnis, dass es keine absoluten Wahrheiten mehr gibt.
 Die Vertreter der ersten Richtung verwischten die Grenzen der Disziplin, indem sie versuchten, den Kern der Architektur mit einer Reihe äußerer Elemente zu kreuzen, so etwa der Soziologie, der Geografie oder anderen Disziplinen. Die Verfechter dieser Position waren davon überzeugt, dass die Architektur dem Druck einer immer komplexer werdenden Welt nicht werde standhalten können und sich deshalb verändern müsse.

 

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