ARCH+ 214


Erschienen in ARCH+ 214,
Seite(n) 36-37

ARCH+ 214

baukuh: Statement

Von Carpi, Paolo /  Lupi, Silvia /  Pizzigoni, Vittorio /  Summa, Giacomo /  Tamburelli, Pier Paolo /  Zanderigo, Andrea

Wir sind nicht an einer Revision der Moderne interessiert. Wir finden, dass die Moderne, so einflussreich und effektiv sie auch gewesen sein mag, auf einer ziemlich schematischen Sichtweise unserer Wirklichkeit beruhte, einer Sichtweise, die im Grunde nur wenig zum Verständnis unserer heutigen Situation beitragen kann. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass eine nicht moderne Einstellung (wie sie Bruno Latour entwickelt hat) einfach realistischer ist. Wenn wir uns also die „Geschichte der Architektur“ vornehmen, dann sind wir der Ansicht, dass die Moderne (und damit beziehen wir uns ganz besonders auf deren Ausgangspunkt, nämlich auf Claude Perrault und Marc-Antoine Laugier) zwei unserer Ansicht nach wesentliche Aspekte der Architektur aufs Spiel gesetzt hat: zum einen die Abstraktion des formalen Codes, der bei der Produktion von Architektur angewendet wird, und zum anderen die Komplexität der menschlichen Motive, mit denen sich die Architektur konfrontiert sieht. Die Moderne versuchte diese beiden Bereiche zu verschmelzen, zwei Dinge, die vollkommen voneinander getrennt sind und die gerade wegen der Spannung, die sich aus der zwischen ihnen herrschenden Distanz ergibt, eine Beziehung zueinander aufbauen. Indem sie das tat – indem sie die immanente Doppelnatur der Architektur auf eine einzige Logik zu reduzieren versuchte –, setzte sie beides aufs Spiel. Somit ist die Moderne unter dem Strich viel weniger komplex und viel weniger abstrakt als die klassische Architektur. Wenn wir also versuchen wollen, uns die Abstraktion und die Komplexität vorzustellen, wie sie in der klassischen Architektur – insbesondere in der erstaunlichen Wiederbelebung der römischen Architektur durch die italienischen Renaissancearchitekten – erkennbar sind, dann kommt man unserer Ansicht nach nicht umhin, all die Fragmente von Theorien und all die Fragmente von Projekten und Bauwerken zusammenzufügen, die irgendwie in eine nicht moderne Richtung weisen und einen möglichen Raum für Untersuchungen eröffnen. Das läuft darauf hinaus, eine Genealogie der Nicht-Moderne zusammenzustellen, die die Kluft zur Architektur der Renaissance irgendwie überbrücken könnte. … 

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