ARCH+ 214


Erschienen in ARCH+ 214,
Seite(n) 98-99

ARCH+ 214

Dogma: Statement

Von Aureli, Pier Vittorio /  Tattara, Martino

Als wir vor vielen Jahren anfingen, unter dem Namen Dogma zu arbeiten (aber auch schon davor, während unseres Studiums), übte das Werk von zwei Architekten – Oswald Mathias Ungers und Aldo Rossi – großen Einfluss auf uns aus. Was uns jeweils interessierte, waren die weniger bekannten Arbeiten der beiden: im Falle Rossis seine frühen Projekte und Schriften (vor 1972) und im Falle Ungers’ seine in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren gemeinsam mit Studenten entwickelten Arbeiten. Es war vor allem Ungers’ Lehre, die sich als eine wichtige Inspirationsquelle für unsere Lehrtätigkeit am Berlage-Institut erwies, einem eher ungewöhnlichen Ort für die Rezeption eines solchen Werks. Was wir vom Œuvre dieser beiden Architekten lernten, war der Versuch, Architektur und Stadt wieder als Einheit zu betrachten, allerdings immer aus dem Blickwinkel der Architektur. Beide, Rossi und Ungers, versuchten auf höchst unterschiedliche Weise, aus der Position der Architektur ein Projekt für die Stadt zu entwickeln. In beiden Fällen erzeugt das architektonische Wissen einen besonderen Blickwinkel und dient als Katalysator für ein konkreteres Verständnis der Stadt, deren vielschichtige Wirklichkeit sonst immer schwer fassbar bleibt und kaum zu entziffern ist. Als wir unsere Arbeit weiterentwickelten, erwies sich dieser Einfluss jedoch als Hemmschuh. Unser Bezugsrahmen griff schließlich immer mehr über das Werk von Rossi und Ungers hinaus. Der Versuch, Architektur und Stadt als Einheit zu betrachten, bedeutete zwangsläufig eine Rückbesinnung auf eine umfassendere Tradition, die man für gewöhnlich als „Moderne“ bezeichnet. Diese Entwicklung reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück, als die Vorstellung eines architektonischen Projekts für die Stadt erstmals Gestalt annahm. …

 

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