ARCH+ 214


Erschienen in ARCH+ 214,
Seite(n) 106-109

ARCH+ 214

Dogma: Stop City

Von Dogma /  Lusic-Alavanja, Sara /  Ngo, Anh-Linh /  Reese, Achim

Pier Vittorio Aureli, neben Martino Tattara einer der beiden Partner von DOGMA, stellt an den Anfang seines Buchs The Possibility of an Absolute Architecture (2011) die Unterscheidung zwischen griechischer polis und römischer urbs. In der griechischen polis manifestiere sich das kollektive Projekt einer latenten, ihrer selbst bereits bewussten Gemeinschaft. Die agora als öffentlicher Raum der politischen Auseinandersetzung nimmt das Zentrum dieser polis ein, die durch ihre Gesetze bestimmt und durch ihre Stadtmauer begrenzt wird. Im Gegensatz zu dieser räumlich-politischen Idee nimmt die römische urbs ihren Ausgangspunkt in der abstrakten Kreuzung zweier Straßen, von der aus die Stadt unbegrenzt wuchern kann. Das Modell der urbs gleicht einer generischen und reproduzierbaren Matrize und entspricht damit der expansiven und inklusiven Logik des römischen Imperiums.

Stop City ist die Vision einer Stadt als klar umgrenztes Geviert. Stadt und Umgebung werden durch eine „Architektur ohne Eigenschaften“ voneinander geschieden. Acht Hochhausscheiben, 500 Meter hoch, 500 Meter breit, definieren einen bewaldeten, quadratischen Grünraum. Die Hochhausscheiben, von denen jede 500.000 Bewohner beherbergt, sind als immeubles cités konzipiert, wo sämtliche urbane Funktionen sowie Produktion und Konsumtion unvermittelt aufeinandertreffen. Aureli und Tattara versprechen sich durch die Einhegung die Ausbildung eines politischen Bewusstseins, das in der polis der vier Millionen ein Betätigungsfeld und einen Angriffspunkt findet. …

 

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