ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 184-185

ARCH+ 221

Koolhaas Lesen

Von Hasenhütl, Gert

Ingrid Böck kontextualisiert in ihrem Buch Six Canonical Projects by Rem Koolhaas. Essays on the History of Ideas die Forschung „für“ die Entwürfe dieses Architekten anhand postmoderner, avantgardistischer, situationistischer und quasi wissenschaftssoziologischer Lesarten. Die Phänomene von Mauer, Leere, Montage, Trajektorie, Infrastruktur und Form dienen ihr als Diskursstränge einer prozess- und weniger objektorientierten Sicht sechs ausgewählter Projekte von Koolhaas.

Im Vergleich zu bisherigen Studien, die wiederkehrende Entwurfsstrategien betrachten, fragt die Autorin danach, wie Theorie die individuelle Baupraxis von Architekten beeinflussen kann. Es geht ihr dabei nicht um eine biographische Rekonstruktion des Œuvres, auch nicht um eine ikonographische und ikonologische Untersuchung konkreter Entwurfsprojekte, sondern sie identifiziert anhand von Literaturanalysen und Baubeschreibungen sogenannte „Narrative“, die als Aussagefelder zu einer Diskursanalyse der veröffentlichten Essays von Rem Koolhaas hinführen sollen. Böck spricht von einem „evolutionary design model“, das auf bisherigen Elementen aufbaut, um „underlying narratives“ und „generative ideas“ zu identifizieren, was sich auch als Frage nach architektonischer Meme innerhalb des Schaffens auffassen ließe. Es geht um eine systematische Aufarbeitung und Interpretation des Werkes und den Dynamiken der Rede von Koolhaas – vor dem Hintergrund seiner mitunter auch ambivalent paradoxen Inszenierung.

Ein zentraler Punkt ist die Rolle des Architekten als Autor, dessen Originalität als wichtiger Aspekt innerhalb entwerferischer Arbeit mit schlechtstrukturierten Problemen hervorgehoben wird. ...

 

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