ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 186

ARCH+ 221

Aus dem Labor in die Stadt

Von Reese, Achim

Im Jahr 2008 veröffentlichten Barkow Leibinger ihr „methodologisches futuristisches Manifest“, in dem sie betonten, dass sie „lieber neugierig, anpassungsfähig und gewandt“ sein wollten als einem modernistischen Heroismus anzuhängen. Dass sich die Arbeit des Büros dennoch nicht durch postmoderne Beliebigkeit auszeichnet, stellt Brett Steele in der 2015 erschienenen Monografie Spielraum klar: Gerade in der fortwährenden Suche nach neuen technischen Lösungen zeige sich die Haltung von Frank Barkow und Regine Leibinger, die nicht nur Büros in Berlin und New York führen und in der Lehre tätig sind, sondern zudem auch eigene Forschung betreiben. Die Erforschung neuer Ansätze, die in Zusammenarbeit „mit der Fabrik, der Gießerei, dem Labor und der Werkstatt“ erfolge, da sie „die besten Orte für eine Neukonzeptionierung der Architektur“ seien, deutet Steele als Antwort auf die Entmaterialisierung des Postfordismus. Jenseits tatsächlicher oder sprichwörtlicher Transparenz ist für die Arbeiten von Barkow Leibinger eine besondere Art der „Durchsichtigkeit“ charakteristisch: Indem man die abstrakt gewordene Technologie auf ein Material anwende und so die Form generiere, werde sie konkret und – um ein oft strapaziertes Wortspiel zu bemühen – „begreifbar“.

Gleichzeitig bedeutet dies eine Umkehrung des klassischen Prozederes beim Entwurf, bei dem die Festlegung einer Form vor der Suche nach dem geeigneten Material und der passenden Verfahrensweise erfolgt. Folglich sind zwei frühere Veröffentlichungen zum Schaffen des Büros, der Ausstellungskatalog Atlas of Fabrication (2009) und die Publikation Bricoleur / Bricolage (2013) – beide ebenso wie Spielraum von Zak Group gestaltet – entsprechend der angewandten Methoden gegliedert statt nach Typologien sortiert. ...

 

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