ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 122-127

ARCH+ 225

Dagegen sein ist immer leicht

Von Caruso, Adam /  Brandlhuber, Arno

1990 gründete Adam Caruso zusammen mit Peter St John das Büro Caruso St John Architects in London. Von 1990 bis 2000 lehrte er an der University of North London und übernahm 2002 bis 2005 eine Professur für Architektur an der University of Bath. Weitere Gastprofessuren führten ihn an die Accademia di architettura di Mendrisio, die Harvard Graduate School of Design, die ETH Zürich sowie an das Cities Programme der London School of Economics. 2011 folgte der Ruf an die ETH Zürich, wo er seitdem die Professur für Architektur und Konstruktion innehat. Mit dem Nagelhausprojekt, dass gemeinsam mit dem Künstler Thomas Demand entwickelt wurde, haben Caruso St John ihre ganz eigene Erfahrung mit der Baugesetzgebung in der Schweiz gemacht.

Arno Brandlhuber: Als wir uns einmal über Volksentscheide in der Schweiz unterhielten, kamst Du auf das Opernhaus Zürich zu sprechen. Warum? Adam Caruso: Bei einem der Themen, die ich vor ein paar Semestern für die Diplomarbeiten an der ETH vorbereitete, ging es um den Erweiterungsbau für das Opernhaus Zürich, der zwischen 1982 und 1984 fertiggestellt wurde. Die Leute in Zürich nennen ihn den „Fleischkäse“, wegen seiner Farbe und Form. Er erlangte einige Berühmtheit wegen der sogenannten Opernhauskrawalle von 1980/81, als junge Leute gegen dieses Projekt protestierten. Die Baugenehmigung war nämlich genau zu der Zeit erteilt worden, als die Stadt die Errichtung eines „autonomen Jugendzentrums“ abgelehnt hatte. Ich bin kein großer Opernfan. Die Oper ist eine, wie ich finde, ziemlich elitäre Kunstform. Trotzdem streichen die Opernhäuser in vielen Ländern jede Menge staatliche Subventionen ein. Und 1980/81 weckte dieses Projekt die Aufmerksamkeit vieler junger Leute, die frustriert davon waren, dass die Gesellschaft den Löwenanteil ihrer Subventionen in eine Opernhauserweiterung steckte. Sie fragten sich, warum andere Kulturprojekte kein größeres Stück vom Kuchen abbekamen. Ich glaube, die Sache entwickelte sich zu einem Katalysator, zu einem Symbol für die vom Establishment diktierten Entscheidungen, wohin die Fördergelder fließen sollten und wohin nicht.

AB: Ist es nicht seltsam, dass das erst 1980/81 passierte? Das war doch relativ spät, oder? AC: Du meinst 1980/81 im Vergleich zu 1968? …

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