ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 46-47

ARCH+ 225

Las Vegas – Fallstudie

Von Lehnerer, Alex

In Santa Barbara verbot man diese künstlichen Auswüchse. Für Venturi waren sie „ganz in Ordnung“, während sie für Reyner Banham auf positive Weise das Fehlen von Kontrolle verkörperten. Gemeint sind hier natürlich die Billboards, jene so typisch amerikanische Variante der Reklametafel. Anhand der Billboards lässt sich die einzigartige Ästhetik der amerikanischen Stadt ebenso gut vernichtend kritisieren wie begeistert bejahen. Der Künstler Ed Ruscha fotografierte Billboards gleich serienweise; dieselben Bilder hätten genauso gut als Illustrationen städtischer Geschmacklosigkeit in Peter Blakes God´s Own Junkyard gepasst.

Als er 1966 in Los Angeles den Vorort Van Nuys besuchte, charakterisierte Banham die Billboards als „die einzigen Lebenszeichen in einer schäbigen Stuck-Einöde“. Doch was Banham durch seine euphorische, britische Brille als Beispiel eines faszinierenden, ungezügelten Wachstums wahrnahm, war tatsächlich Resultat einer erbitterten Kontroverse, die schon über ein Jahrhundert lang geführt worden war, eines Streits, der oft heftig vor Gericht ausgetragen wurde. Strittig war dabei, ob rein ästhetische Erwägungen als Rechtfertigung ausreichten, private Wirtschaftsinteressen einzuschränken. In vielen Fällen mussten die Gegner der Billboards Scheinargumente ins Feld führen, um ihre ästhetischen Maßstäbe tatsächlich durchzusetzen. In St. Louis zum Beispiel wurden Billboards 1913 als Brandrisiko und als Refugien für ungesetzliche Aktivitäten dargestellt. Befürworter wiederum haben Billboards zu einer von der Verfassung geschützten Form der Redefreiheit hochstilisiert.

Während des vergangenen Jahrhunderts haben die Gerichte in Sachen Billboards mal im Sinne ihrer Gegner und mal im Sinne ihrer Befürworter entschieden. …

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