ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 48-51

ARCH+ 225

St. Louis – Fallstudie

Von Gordon, Colin

Das Drehbuch kommt einem ziemlich bekannt vor. Eine streng segregierte amerikanische Stadt, ein Fall von Polizeigewalt, eine Woche wütender Proteste gegen Polizei und Rassendiskriminierung, eine erschreckend brutale, militarisierte Wiederherstellung der fragilen öffentlichen Ordnung. Detroit im Sommer 1943. Miami 1980. Los Angeles 1992.

Die Erschießung Michael Browns und die anschließenden Proteste in Ferguson, einem Vorort von St. Louis im Bundesstaat Missouri, im August 2014 machen deutlich, dass diese Vorkommnisse das Ergebnis eines ganzen Bündels politischer, baurechtlicher und privatrechtlicher Maßnahmen sind, die im Laufe der Zeit die Durchsetzung und Verstärkung der Rassentrennung bewirkt haben. St. Louis zählt zu einer Handvoll amerikanischer Städte, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts einen explizit an rassischen Kriterien ausgerichteten Flächennutzungsplan durchzusetzen versuchten. Als der Supreme Court diesem Verstoß gegen die Gleichbehandlungsklausel 1917 Einhalt gebot, sorgte die Immobilienbranche dafür, dass die Rassentrennung auf privatrechtlicher Basis fortgeführt wurde: Bei Transaktionen in weißen Wohngegenden wurden systematisch rassenrestriktive deed covenants, das heißt rechtsverbindliche Klauseln in Kaufverträgen aufgenommen, die den Weiterverkauf an Käufer einer bestimmten Rasse untersagten. Die Aufrechterhaltung der Rassenschranke wurde so zu einem zentralen Bestandteil des Berufsethos der Immobilienbranche.

Als die Gerichte diese rassenrestriktiven Vertragsvereinbarungen 1947 für ungesetzlich erklärten, setzte die kommunale Verwaltung einen Bebauungsplan durch, der im Westen der Stadt und in den inneren Vororten praktisch nur große Grundstücke für Einfamilienhäuser vorsah: …

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!