ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 52-55

ARCH+ 225

Buenos Aires – Fallstudie

Von Wolter, Jens

STADT DER HÖFE – REGELN FÜR DAS WACHSTUM

Die Struktur der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires beruht auf einem großflächigen quadratischen Straßenraster an den Ufern des Rio de la Plata. Die Anfänge der Siedlung liegen im Jahr 1580, als sie durch den spanischen Eroberer Juan de Garay gegründet wurde. Die Planung erfolgte nach dem klassischen Modell der spanischen Kolonialstädte Südamerikas, der Ley de Indias, einem Regelwerk, das vom spanischen König Philipp II. für Kolonisten erlassen wurde und den Aufbau neuer Siedlungen in sozialer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht festlegte. Diese Verordnungen für den Stadtplanungsprozess stellten die ersten Versuche eines Generalplanes dar. Sie waren von Vitruvs Zehn Büchern der Architektur und Leon Battista Albertis Traktaten beeinflusst.

Der rechteckige Stadtgrundriss bestand zunächst aus 15 Blöcken in NordSüd-Richtung und 9 Blöcken in Ost-West-Richtung. Von Bebauung freigehalten wurde ein Block im Zentrum am Rande des Flussufers. Dieser für südamerikanische Städte typische Freiraum diente als Plaza, an dem die Kirche und das Rathaus angesiedelt waren und das öffentliche Leben stattfand.

Die großflächigen, 130 Meter breiten quadratischen Blöcke wurden zunächst in 4 Parzellen unterteilt. Sie waren für den Bau des klassischen einstöckigen spanischen Patio-Hauses ausgelegt. Die Straßenbreite wurde auf 9,50 Meter festgelegt, bei einer maximalen Gebäudehöhe von 5 Metern. Dieses Verhältnis ermöglichte ausreichende Belichtung und Belüftung, aber auch eine angemessene Verschattung dieser neuen, linearen Straßenräume. Die einzelnen Gebäude sollten sich nicht individuell ausdrücken, sondern Teil einer flächigen, kontinuierlichen Fassade sein und direkt ab der Grundstücksgrenze ohne Rücksprünge errichtet werden. Angesichts des zunehmenden Bevölkerungswachstums wurden die Parzellen weiter unterteilt. …

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