ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 56-57

ARCH+ 225

Tokio – Fallstudie

Von Ta, Quang Tuan

Auf den ersten Blick wirkt Tokio chaotisch. Übergeordnete Gesetzmäßigkeiten sind nicht sofort erkennbar. Fließende Übergänge in der Zonierung haben das Entstehen von vielen Subzentren und gleichzeitig räumliche Überlagerungen von unterschiedlichen Nutzungen und Aktivitäten ermöglicht. In dieser kurzen Darstellung geht es nicht um klassische Bauregeln, die das äußere Erscheinungsbild der ostasiatischen Metropole bestimmen. Vielmehr werden zwei wesentliche Planungsebenen erläutert, die sich im Stadtbild widerspiegeln: die Verwaltung als Planer auf der Makroebene und die Bewohner als autonome Bauherren auf der Mikroebene.

Anders als europäische Städte strebt Tokio nicht einen Zustand der Permanenz an, sondern befindet sich in einem ständigen Erneuerungsprozess. Auch wenn die Stadt seit 1603 politisches und kulturelles Zentrum Japans ist, wirkt sie jung und ungeordnet. Es gibt kaum historische Bausubstanz. Das liegt zum einen daran, dass sich das Stadtgebiet auf der Schnittstelle dreier Kontinentalplatten befindet und daher anfällig für Naturkatastrophen wie Erdbeben und Tsunamis ist. Zum anderen wies das alte Edo – wie Tokio bis 1868 hieß – eine hohe Bebauungsdichte von Einfamilienhäusern auf, die aus leicht entflammbaren Materialien wie Holz oder Papier errichtet wurden. Im Jahr 1923 zerstörte das Kant -Erdbeben drei viertel der Stadt2 und machte einen Großteil der Bevölkerung obdachlos, über 100.000 Menschen starben. 22 Jahre später wurde Tokio in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs erneut verwüstet. Die Luftangriffe der Alliierten zerstörten weit über 50 Prozent der Bausubstanz. Beide Male musste die Stadt schnell wieder aufgebaut werden, so dass man sich für ein pragmatisches Vorgehen entschied und sich statt einer langwierigen Neuordnung auf die Instandsetzung der Infrastruktur fokussierte. …

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