ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 114-115

ARCH+ 225

Das Primat des Staates – Bauregelwerke in den USA

Von Lu, San-Hwan

Bauregelwerke prägen unsere gebaute Umwelt und geben ihr eine Form. Sie sind ein Ausdruck der Baukultur und damit des Selbstverständnisses und der Weltanschauung einer Gesellschaft. Die konkreten Anforderungen, die Bauregelwerke stellen, unterliegen somit einem steten Wandel. Ebenfalls einem Wandel unterworfen, wenn vielleicht auch verborgener, aber zumindest genauso wichtig, ist die dahinterstehende Ordnungsstruktur – ihre rechtliche Organisation.

Durch die tägliche Anwendung – angefangen beim Entwurfsprozess bis zur Umsetzung auf der Baustelle – üben diese Regelwerke einen nicht zu unterschätzenden Einfluss aus. Architekten sind die am stärksten betroffene Berufsgruppe. Sie planen, entwerfen und koordinieren die unterschiedlichen Anforderungen aller Beteiligten. Diese bilden wiederum selbst ausgeprägte Interessensgruppen mit jeweils eigener Agenda.

In den letzten Jahren wird der Diskurs zunehmend von dem Gefühl der Überregulierung geprägt. Rufe nach Entbürokratisierung und Regulierungsabbau werden laut. Dabei ist die Situation durchaus paradox: Der Widerstand richtet sich unter anderem gegen die steigende Zahl an bautechnischen Normen, die in den letzten Jahren zu einem drastischen Anstieg des Aufwands in der Planung, aber auch bei den Baukosten geführt haben. Dabei sind Gesetze und Normen zwei Seiten derselben Medaille, nämlich der bautechnischen Regulierung, wobei deren Wahrnehmung einerseits durch den Staat, andererseits durch private Akteure erfolgt. Unter der liberalen Prämisse, dass der private Sektor grundsätzlich effizienter arbeite, hätte also eine Ausweitung des Normenwesens zu einer schlankeren Verwaltung durch Verringerung des staatlichen Einflusses führen müssen. Was läuft hier also schief? Ein Blick auf die Entwicklungen in den USA liefert ein aufschlussreiches Bild über mögliche Folgen einer Verlagerung von Regulierungskompetenzen in den privaten Sektor. …

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