ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 144-146

ARCH+ 225

Gartenheim

Von Woelk, Imke

Berlin verfügt derzeit über 918 Kleingartenanlagen mit insgesamt etwa 73.000 Parzellen. Ihre Gesamtfläche von knapp 3.000 Hektar nimmt rund drei Prozent der Stadtfläche ein; drei viertel der Anlagen sind Eigentum des Landes Berlin. Keine vergleichbare Metropole besitzt eine so große Anzahl an privat nutzbaren Gärten im unmittelbaren Einzugsbereich der Innenstadt. Sie bilden eine historisch gewachsene kulturelle, soziale und ökologische Ressource, die in ihrer grünen Identität erhalten bleiben und als ökologisches Element in der Stadt weiterhin zur Stabilisierung des Stadtklimas beitragen sollen.

Doch angesichts der Wohnungsnot und der Verdrängung sozial schwacher Schichten aus innerstädtischen Lagen bieten diese Enklaven neben ihrer Funktion als Freizeit- und Erholungsort die Möglichkeit, durch einfache Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen neuartige innerstädtischdörfliche Quartiere mit Raum für circa 50.000 Haushalte zu schaffen. Die vorhandene Parzellen- und Bebauungsstruktur der Laubenkolonien soll dabei nicht verändert werden, lediglich dauerhaftes Wohnen soll gestattet sein und durch geringfügige Ergänzungen räumlicher und infrastruktureller Art unterstützt werden. Durch Auslagerung von kollektiven Wohnfunktionen in zentrale Gemeinschaftshäuser (Sharing) können Flächen und Ressourcen strategisch verteilt werden. Auch ist es denkbar, öffentliche und gewerbliche Einrichtungen in den Gartenanlagen unterzubringen; Tausch oder Verkauf von selbst erzeugten Lebensmitteln kann hierfür den Ausgangspunkt bilden.

Von den drei unterschiedlichen, die Bebauung von Kleingartenkolonien in Berlin regelnden Gesetze und Verordnungen – Bundeskleingartengesetz (BKleingG), Berliner Bauordnung (BauO Bln) und Verwaltungsvorschriften über Dauerkleingärten auf landeseigenen Grundstücken (VVKleing) – müsste nur BKleingG § 3, Abs. 2 geändert werden, demzufolge die Ausstattung und Einrichtung der Laube „nicht zum dauernden Wohnen geeignet sein“ darf. Allein dadurch kann je Parzelle und Gebäude dauerhafter Wohnraum für ein bis drei Personen geschaffen werden. Alle weiteren Vorschriften betreffend Abstände, Form und Dimension der Bebauung et cetera können beibehalten werden. …

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!