ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 150-155

ARCH+ 225

Berliner Remise – Wachstum nach Innen

Von Augustin, Georg /  Ernst, Sebastian /  Tessarz, Martin

Berlin wächst – und zwar nach innen. Seit der politisch forcierten Privatisierung öffentlichen Grund und Bodens findet ein kontinuierlicher Prozess der Nachverdichtung statt. Meist geschieht dies in der Blockstruktur durch Baulückenschließungen. Die begrenzte typologische Vielfalt bei dieser Vorgehensweise drückt die engen Verhandlungsspielräume zwischen Planern und Planungsämtern in der Anwendung überkommener und aktueller Gesetze und Regeln aus. Es erscheint uns daher wenig sinnvoll, über neue Typologien für die Blockrandschließung nachzudenken. Doch wo liegen noch Potentiale für eine innerstädtische Verdichtung mit Wohnbauten?

Durch die Angleichung an die Musterbauordnung wurden die Abstandsflächenregeln der Berliner Bauordnung im Jahr 2006 neu gefasst. Sie lassen wieder Bebauungsdichten wie zur Zeit der Blockstrukturen im 19. Jahrhundert zu. Auch die locker gestreuten Siedlungen der Nachkriegszeit können nun ohne Festlegungen eines Bebauungsplans verdichtet werden. Hierfür zeigt vor allem das Planwerk Innenstadt mögliche stadträumliche Vorschläge auf. Doch dort liegt nicht das größte Potential für ein Wachstum nach innen: Dieses liegt vielmehr in den Kernbereichen der Berliner Baublöcke.

Die Auseinandersetzung mit den Potentialen und Transformationsmöglichkeiten der Blockstrukturen hat eine Geschichte, die bis weit vor die Zeit des Reformwohnungsbaus zurückreicht. Diese frühen Veränderungen eines bis dahin rigide ökonomisierten Stadtgrundrisses heißen Privatstraßen. Sie schließen bislang privaten Grund aus der Tiefe des Blocks direkt an die Straße an. Dadurch erhöhen sie maßgeblich seinen Wert und fügen dem Blockinnenraum eine neue Gebäudetypologie hinzu. …

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