ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 156-159

ARCH+ 225

Sanfter Exot

Von baukuh

Betrachtet man das Phänomen des Immobilienwesens einmal von einem rein mechanistischen Standpunkt, ließe sich behaupten, dass alle privaten Gebäude, die im Laufe des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends in Tirana entstanden, im Grunde Ausführungen ein und desselben Gebäudes sind. Die Gestalt jeder dieser Bauten in der albanischen Hauptstadt ergibt sich nämlich aus sehr einfachen Zielsetzungen und Vorschriften: Die Entwickler wollen auf der einen Seite ihre Grundstücke maximal ausnutzen und dabei möglichst wenig Zeit und Geld aufwenden; auf der anderen Seite gibt es ein rudimentäres Regelwerk, das die Gebäudehöhe auf acht Stockwerke begrenzt und das maximale Gebäudevolumen anhand zweier simpler Algorithmen festlegt.

Der erste Algorithmus setzt die Grundfläche eines Stockwerks ins Verhältnis zur Höhe über dem Straßenniveau und zu seiner Entfernung von der Straßenmitte: L= i+1, wobei L für die kürzeste Distanz zur Straßenmitte, und i für das jeweilige Stockwerk steht. Der zweite Algorithmus legt die Mindestdistanz zum gegenüberliegenden Gebäude im Verhältnis zur Anzahl der Stockwerke fest: S= i+j+2, wobei S die Mindestdistanz zwischen den Gebäuden ist, i die Anzahl an Stockwerken eines Gebäudes und j die Anzahl der Stockwerke des gegenüberliegenden Gebäudes.

Diese einfachen mathematischen Berechnungen werden in einem völlig abstrakten, „legalen“ Rahmen durchgeführt, da illegale oder teilweise illegale Gebäude nicht berücksichtigt werden – ein Umstand, der zum Teil zu großen Widersprüchen zwischen der offiziellen Rechtslage und der eigentlichen Praxis führt. Erschwert wird die Lage dadurch, dass der Katasterplan von Tirana völlig uneindeutig ist. Die Frage des Grundbesitzes war nicht erst nach einem halben Jahrhundert kommunistischer Herrschaft höchst kompliziert; sie war bereits in der Zeit davor völlig unklar. …

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