ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 160-165

ARCH+ 225

Haus mit Seeblick

Von Kerez, Christian /  Kaldenhoff, Max

Das Haus mit Seeblick befindet sich auf einem Grundstück am Zürichsee. Der Hang am Zimmerberg in Thalwil hat sich im Laufe seiner Besiedlung zu einer gestalteten Landschaft aus Straßen, terrassierten Gärten und Häusern entwickelt. Das Erscheinungsbild des Hauses wird durch diese geografischen wie topografischen Gegebenheiten in Verbindung mit den vor Ort geltenden Baugesetzen maßgeblich bestimmt.

Der Entwurf für das Haus mit Seeblick bezieht sich vor allem auf jene Bestimmung in der Verordnung zum Planungsund Baugesetz (V PBG) in der Schweiz, in der die maximale Gebäude- und Firsthöhe festgelegt wird. In Thalwil beträgt die maximale Traufhöhe 7,5 Meter, die maximale Firsthöhe liegt bei 12 Metern. Während diese Höhen, auch bei Bauten am Hang, meist nur an einem absoluten Bezugspunkt festgelegt werden, nahm Christian Kerez die Bestimmung wörtlich und ließ First und Traufe des Daches an jedem einzelnen Punkt exakt der Topografie des Grundstücks in der vorgeschriebenen Höhe folgen. Das Dach ergibt sich gewissermaßen aus einer OffsetOperation der Topografie. Eine weitere formgenerierende Vorgabe ist die zulässige Kniestockhöhe, die in bewohnbaren Dachgeschossen maximal 1,30 Meter betragen darf. Dieser Drempel vermittelt räumlich zwischen der abgestuften Geschossdecke und der gekrümmten Dachlinie.

Die Form des Daches erinnert äußerlich an einen Hügel und im Inneren an eine Höhle.

Der Innenraum ist durch die Terrassierung der Wohn-, Küchen- und Schlafebenen geprägt. Die Terrassenform, die oft das äußere Erscheinungsbild von Gebäuden am Hang bestimmt, wird hier also ins Innere verlegt. Das Haus mit Seeblick kann als ein „inverses Terrassenhaus“ bezeichnet werden. Die drei ohne Trennwände ausgeführten Ebenen geben über die gesamte Gebäudetiefe den Blick auf den See frei. Hier kommt die mit dem Gelände abfallende Dachform besonders zum Tragen: Der Blick wird auf den See fokussiert. Die selbstauferlegte buchstäbliche Umsetzung der Schweizer Bauordnung zog ein langwieriges Genehmigungsverfahren nach sich und führte zu der Diskussion, ob es erlaubt ist, ein Gesetz wörtlich zu nehmen. …

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