ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 166-173

ARCH+ 225

Das Kleingedruckte im Werk von Arno Brandlhuber

Von Reese, Achim

Obwohl Architektinnen und Architekten fortwährend gezwungen sind, ihre Arbeit mit Baugesetzen und Bebauungsplänen in Einklang zu bringen, suchen die wenigsten von ihnen die kritische Auseinandersetzung mit den legislativen Rahmenbedingungen des eigenen Schaffens. Eine Ausnahme ist Arno Brandlhuber, versteht er doch Architektur als Arbeit am Gesetzestext.

Zunächst gemeinsam mit Bernd Kniess als b&k+, später in seinem Büro Brandlhuber+, stets aber in Kooperation mit verschiedensten Disziplinen, gelingt es Brandlhuber seit den 1990er-Jahren, legislative Vorgaben für das eigene Schaffen fruchtbar zu machen. Ursprünglich vor allem ein Aufbegehren gegen behördliche Limitierungen, sieht der Architekt diese Vorgehensweise heute als Möglichkeit, um das kulturelle und historische Erbe, das in den Gesetzestexten kodifiziert ist, sichtbar und damit verhandelbar zu machen. Zugleich gelangt Brandlhuber, indem er sich der behördlichen Festlegungen als eines „Archiv des Bauens“, eines kollektiven architektonischen Erfahrungsschatzes, bedient, zu Entwurfskonzepten, die jenseits subjektivistischer Künstlerarchitektur als auch der bloßen Wiederholung typologischer Schemata liegen.

Während Projekte wie die Schließung einer 2,56 Meter breiten Baulücke in Köln zu baurechtlichen Präzedenzfällen und damit der Entstehung neuer Regelungen führten, versucht Brandlhuber zunehmend auch unmittelbar auf die Legislative einzuwirken, um so, auf dem umgekehrten Weg, rechtliche Voraussetzungen für zukünftige architektonische Lösungen zu schaffen. …

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!