ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 182-185

ARCH+ 225

Wo jeder Kubikmeter zählt – über das Mezzanin-Loft in Brooklyn

Von Scarano, Robert Jr. /  Reidel, Jacob /  Brainard, Gabrielle

Die Bauordnung von New York City legt für Wohnräume eine Deckenhöhe von mindestens 8 Fuß (2,4 Meter) fest. In der Realität nehmen viele Käufer auch Decken hin, die einige Zoll niedriger sind; insbesondere Mitte der 2000er-Jahre, als die Immobilienblase eine Gentrifizierung von Vierteln am Rand der Stadt vorantrieb. Während dieses Spekulationswahns nutzte der aus Brooklyn stammende Architekt Robert Scarano, Jr. die Diskrepanz zwischen Bauordnung und Markt und schuf daraus einen neuen Bautyp, der zum Symbol Brooklyns als berüchtigt hipper Stadtteil wurde.

Geboren als Sohn eines Maschinenbauingenieurs im Ortsteil Gravesend in Brooklyn studierte Scarano am City College der City University of New York Architektur und arbeitete, ehe er 1985 seine eigene Firma gründete, für einige führende Büros der Stadt: Costas Kondylis, SLCE, HLW, Liebman Liebman & Associates. Diese waren vor allem für Immobilienentwickler tätig und wurden für ihre solide Arbeit geschätzt, nicht unbedingt für innovative Entwürfe. In ihrem kunstfertigen Umgang mit der Bauordnung jedoch waren sie ausgesprochen kreativ.

Scarano ist vor allem für seine gläsernen Luxus-Bauten bekannt, die nach Angaben seines Büros nach Tausenden zählen, und die während der fetten Jahre in sich schnell gentrifizierenden Teilen von Brooklyn wie Unkraut aus dem Boden schossen. Die Ästhetik Scaranos ist dabei ebenso wenig zurückhaltend wie er selbst. Bei seinen Gebäuden kombinierte er gängige Materialien wie Backstein, Stuck und lackiertes Blech und fügte sie zu kubischen Kollagen mit versetzten Volumen und Ebenen. Das etwas willkürliche Ergebnis ist zweifelsohne einzigartig. Der ungestüme, freimütig auf Eigenwerbung bedachte Scarano machte sich seinen Namen damit, kostengünstige Ergebnisse mit Pfiff zu liefern. Das sprach insbesondere Entwickler an, die mit ihren Projekten in einem bereits gesättigten Markt auffallen wollten. Was die Bauherren jedoch endgültig überzeugte, war die außergewöhnliche Größe seiner Gebäude.

Sie waren ihren Nachbarn turmhoch überlegen – der eindeutigste Beweis dafür, dass sein Büro die Kunst vervollkommnet hatte, Bauvolumen bis an die maximal zulässigen Grenzen und manchmal auch darüber hinaus auszureizen. Während das übliche Reihenhaus in Brooklyn eine Breite von 25 Fuß (7,6 Meter) und drei Stockwerke hat, wachsen Scaranos Gebäude auf demselben schmalen Grundstück zu einer Höhe von 55 Fuß (16,8 Meter) empor – der Höhe eines fünf- oder sechsgeschossigen Gebäudes also. Eine Lücke im Baugesetz machte dies möglich. Scarano entwickelte eine markenbildende Strategie: …

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