ARCH+ 225


Erschienen in ARCH+ 225,
Seite(n) 188-195

ARCH+ 225

Prishtina, oder warum Legalisierung wichtig ist

Von Hackenbroich, Wilfried /  Vöckler, Kai

Anhand der Stadtentwicklung von Prishtina, der Hauptstadt der Republik Kosovo, lässt sich beispielhaft nachvollziehen, wie nach einem kriegerischen Konflikt ein unreguliertes, informelles Baugeschehen erhebliche soziale und sicherheitsrelevante Probleme hervorbringen kann. Um eine Perspektive für eine geregelte Planungskultur aufzuzeigen, hat das hier vorgestellte Projekt den Rahmen für die nachträgliche Regulierung und damit einhergehend die Legalisierung illegal errichteter Bauten erarbeitet.

Dem Krieg zwischen dem serbischen Militär und der kosovo-albanischen Befreiungsarmee bereitete die NATO 1999 mit Luftangriffen und dem dadurch erzwungenen Abzug der serbischen Armee ein Ende. Zur Sicherung des Friedens zogen anschließend internationale, NATO-geführte Kfor-Truppen in die ehemalige jugoslawische Teilrepublik ein. Die mehrheitlich kosovo-albanische Bevölkerung begann unverzüglich, dringend benötigten Wohnraum zu bauen und löste einen Bauboom aus.

Der Immobilienmarkt wurde aufgrund des großen Mangels an Wohn- und Gewerberäumen zu einem der profitträchtigsten Geschäftszweige. Die Nachfrage wurde durch in die Stadt strömende Migranten vom Land und Flüchtlinge, die nach Beendigung des Konflikts wieder aus den westeuropäischen Staaten zurückgeschickt wurden, verstärkt. Die Bevölkerungszahl von Prishtina verdreifachte sich innerhalb kürzester Zeit auf knapp 300.000 Einwohner. Folge all dieser Entwicklungen war ein rasanter Umbau der Stadt.

Nachdem Prishtina im Krieg kaum zerstört worden war, wurden durch den Nachkriegsbauboom etwa 75 Prozent der bestehenden Stadtstruktur und mit ihr ein Großteil des historischen Erbes und das ursprüngliche Stadtbild zerstört. Diese unregulierte Bau- und Siedlungstätigkeit war Produkt eines unzulänglichen und unvollständigen rechtlichen Rahmenwerks, da es bis 2005 faktisch unmöglich war, eine Baugenehmigung zu bekommen, selbst wenn man eine beantragen wollte. Rechtssicherheit konnte nicht gewährleistet werden, da wichtige Unterlagen wie beispielsweise ein Kataster fehlten. Außerdem vermochten die schwachen, erst im Aufbau befindlichen staatlichen Institutionen die Gesetze und Vorschriften angesichts der unklaren politischen Verantwortung nicht oder nur unzureichend durchzusetzen. Hinzu kommt die gravierende Korruption bei den zuständigen Stellen, die der Rechtsunsicherheit sogar Vorschub leistete. Daher konnten Bautätigkeiten in der Regel nur informell sein. Dies alles geschah bis 2008 unter der Verwaltung der Vereinten Nationen (UNMIK – United Nations Mission in Kosovo), die ihre Hauptaufgabe weniger in der Regulierung der Stadtentwicklung im Sinne des Gemeinwohls sah als vielmehr in der Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen.

Die Folgen sind gravierend: Sicherheitsmängel, Unterversorgung mit sozialer Infrastruktur (Schulen, Kindergärten) und öffentlichen Räumen (Grünflächen, Parkanlagen) sowie fehlende oder überlastete technische Infrastruktur (insbesondere die Abwasserentsorgung). …

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