ARCH+ 230


Erschienen in ARCH+ 230,
Seite(n) 233-248

ARCH+ 230

Spezifischer Gebrauchswert eines universalen Raums

Von Woelk, Imke

Als Ludwig Mies van der Rohe im Jahr 1962 den Direktauftrag zum Bau der Neuen Nationalgalerie auf dem neu geschaffenen Kulturforum in Berlin erhielt, war die Stadt bereits durch den Mauerbau geteilt. West-Berlin zeigte sich als Stadt ohne klare Funktion, abgeschottet nach Osten und Westen. Als ‚Frontstadt der Demokratie‘ stand sie gegen den sowjetisch beherrschten Ostblock im Brennpunkt des Ost-West-Konflikts. Der städtebauliche Wettbewerb Hauptstadt Berlin von 1958, der noch ganz Berlin einbezog und die Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschlands zu einer Zeit imaginierte, als ein Verschwinden des Eisernen Vorhangs undenkbar schien, war vermutlich das politisch delikateste und an den äußeren Bedingungen gemessen irrealste Stadtplanungsprojekt der Nachkriegsgeschichte. Für den grenznahen Bereich zwischen Landwehrkanal und Potsdamer Platz sah der preisgekrönte Entwurf des Architekten Hans Scharoun ein neues kulturelles Zentrum vor.

Als Surrogat der verlorengegangenen Innenstadt war das Kulturforum als landschaftliche Stadtanlage gedacht, die in lockerer Bebauung ohne Monumentalität und in Abgrenzung zum Stil des Nationalsozialismus ein demokratisches Gemeinschaftsgefühl ausdrücken sollte. Hier sollte auch der Neubau der Galerie des 20. Jahrhunderts, die schließlich im Laufe der Planung mit der Nationalgalerie in West-Berlin zur Neuen Nationalgalerie vereinigt wurde, seinen Platz finden.

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