Stadtmodelle nach der Postmoderne:
Kollhoff – Koolhaas – Rogers – Shinohara
In diesem Heft plädiert Rem Koolhaas für eine neue Modernität. Als Gründe führt er an: die Dynamik der industriellen Entwicklung, die durch den Gemeinsamen Markt noch beschleunigt werden wird; die neue Rolle des industriellen Unternehmers, die durch den Gemeinsamen Markt erst richtig zum Tragen kommen wird; das Europa der Regionen, das dem Gemeinsamen Markt erst seine Gestalt geben wird; und die neuen Bauaufgaben, die die industrielle Dynamik erst richtig zum Ausdruck bringen werden.
Aus all diesen Gründen sieht Koolhaas auf Europa neue Abenteuer der Modernität zukommen. Im Unterschied aber zur heroischen Phase der Moderne der 20er Jahre basieren die neuen Abenteuer der Modernität auf der grundsätzlich veränderten Ausgangslage einer praktisch vollzogenen Modernisierung. So bedarf es heute nicht mehr der Propaganda der Tat durch das Projekt, um die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern. Denn diese sind heute so weitgehend durch die industrielle Dynamik des Kapitalismus selbst umgewälzt, so weitgehend revolutioniert, dass sich die Frage der Modernität anders und neu stellt: bar jedes ideologischen Anspruchs nach gesellschaftlicher Veränderung, bar jeder Überfrachtung der Architektur mit Gesellschaftsutopien. Statt dessen geht es heute um eine Modernität sans phrase, um die Modernität des amerikanischen konservativen Traums: Die Gesellschaft ohne Revolutionen zu revolutionieren.