Virtuelle Räume - Simultane Welten
"Es stellt sich jetzt heraus, daß die Zeichen der Welt nichts bedeuten. Daß sie einen Haufen von zusammenhanglosen Elementen bilden. Und daß die Zusammenhänge, welche das historische Bewußtsein in diesen Haufen hineingelesen hat, von diesem Bewußtsein selbst textartig erzeugt wurden... Wir sind absurderweise in einer absurden Welt."
Diese nüchterne Feststellung ist für Vilém Flusser Resultat der modernen Naturwissenschaften und zugleich Ausgangspunkt für seine spielerischen Reisen ins Universum des Möglichen. Denn "die Entdeckung, daß ‘hinter’ der Welt nichts steckt, das entdeckt werden könnte, die Enttäuschung, die wir gegenwärtig an allem Erklären, Interpretieren und Lesen der Welt erleben, führt zu einer revolutionär neuen Einstellung der Welt gegenüber. Wir geben enttäuscht die Verbeugung vor der Welt auf, wir richten uns auf, um auf sie zu deuten... Wir sind es nun, die auf die Welt Bedeutungen projizieren." (1) Aus Subjekten Unterworfenen müssen wir zu Projekten Entwürfen werden, auf die Welt geworfene Möglichkeiten, dem Absurden Sinn zu verleihen. Die moderne Technik, vor allem die Elektronik, mit dem sich ständig erweiternden Horizont des Machbaren, eröffnet uns diese kaum erahnten, denn begriffenen Möglichkeiten der Welterzeugung.