ARCH+ 185: Indischer Inselurbanismus

„Ich komme daher, wo du hingehst – und es ist der Mühe nicht wert.“ In einer Parabel verpackt, berichtet Charles Correa in seinem Buch „The New Landscape“ von dem gegenseitigen Unverständnis, das zwischen westlichen Hippies und wohlhabenden Indern im Indien der 1960er bis 70er Jahre herrschte. Die einen, die den materiellen Reichtum des Westens hinter sich gelassen und nun zerlumpt und barfüßig auf den Straßen Indiens nach einem tieferen Sinn des Lebens suchten, und die anderen, die ihren neu erworbenen Wohlstand stolz und ostentativ auslebten, fühlten sich durch den Anblick des jeweils anderen direkt angegriffen. Denn mit ihrem Lebensstil signalisierten sie einander, dass weder der Fortschritt noch das vermeintlich Authentische eines vormodernen Lebens „der Mühe wert ist“, also Erfüllung verspreche.

In dieser Parabel, die die Ambivalenz von Modernisierungsprozessen auf den Punkt bringt, begegnen sich Modernisierungsgewinner und -verlierer in vertauschten Rollen. Die Begegnung entmystifiziert ein Indienbild, das seit dem Ende des 18. Jahrhunderts im Westen, vor allem im deutschsprachigen Raum vorherrschte, in welchem Indien immer wieder als geistige Projektionsfläche gedient hatte. Der Indien-Mythos, der von der Romantik bis zum Aussteigertum der Hippie-Kultur währte, speiste sich aus einem mutmaßlich ganzheitlichen Lebensmodell, welches das aufgeklärte Europa im alten Indien wiederentdeckt zu haben glaubte. Zugleich fungierte das Ideal Indien gewissermaßen als Kritik am Rationalismus der eigenen aufgeklärten Kultur und dem damit einhergehenden Verlust an Spiritualität.

Was aber sagt uns Indien heute? Der Modernisierungsprozess, der das Land seit der Unabhängigkeit vor genau 60 Jahren erfasste, lüftete spätestens mit Beginn der verschärften Globalisierung und der Liberalisierung der Wirtschaftspolitik Anfang der 1990er Jahre den mystischen Schleier, nur um im Westen einem anderen Indienbild Platz zu machen: Aus der spirituellen „Weisheit“ des „gesuchten Landes“ (Hegel) ist ein global konkurrierendes „Wissen“ (IT) einer Wirtschaftsmacht geworden. Das Heft analysiert aus unterschiedlichen Blickwinkeln die gesellschaftlichen und urbanen Auswirkungen der Wirtschaftsliberalisierung, die Gautam Bhatia mit dem Bonmot „Das gute Leben ist insulär“ beschreibt.

 

Inhaltsverzeichnis

Zeitung

2-5

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Lokalisierter Modernismus

6

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Keine Insel, nirgends

8

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Buchtipps

8

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Urban Age Award

8

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Zum Tod von Konrad Wohlhage

Thema

11-12

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Editorial: Indischer Inselurbanismus

14-15

Die Chance einer asiatischen Renaissance

16-19

Der deutsche Orientalismus und die Neuorientierung des Westens

20-21

Indien und der Orient im Blick deutscher Architekten 1915-1920

24-26

Diese Stadt bläst dir dein Gehirn raus!

27

Die britische Herrschaft in Indien

28-29

Die städtische Wende

30-33

Rourkela - Das Doppelleben einer indischen New Town

34-35

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Indigene Moderne

38-40

Das Dickicht indischer Megastädte

41-43

Urbane Schaumblasen

46-49

Haustypologie Mumbai

52-53

Sabarmati Riverfront

54-55

Goa 2100

56-61

Die multinationale Stadt

62-65

Cyberabad

66-69

Indien scheint

70-73

Planet der Slums

74-76

Bombay: Maximum City

77-80

Slum als Projekt

81-82

Quoten für Unberührbare

84-85

Slum as Real Estate - Immobilienmarkt Slum

86-87

Mumbai: Die kompakte Megacity

89-91

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Auf dem Weg zu einem hässlichen Indien

92-95

Die Erfindung des modernen indischen Architekten

96-98

Forschungswelten

98

Okkupativer Urbanismus

100

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Cybermohalla Hub

102

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Playbox

104

Kantine Delhi

105

Paper Log Houses

106-107

Contemporary Urban India

108-113

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Synopse - Indien 1850 bis heute

Baufokus

118

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