Die Türkei war schon immer ein besonderer Bezugspunkt für deutsche Architekten. So hat Bruno Taut immer wieder die Bedeutung des Orients für die Erneuerung der Moderne beschworen, die in seinen Augen einem trockenen Rationalismus verfallen war. Dieser ideelle Bezugspunkt wurde während der Zeit des Nationalsozialismus zu einem konkreten Fluchtpunkt für eine ganze Generation von Architekten, Stadtplanern, Künstlern und Wissenschaftlern, die vom NS-Regime verfolgt wurden und in Istanbul und Ankara Schutz und Arbeit fanden: Architekten wie Bruno Taut, Margarete Schütte-Lihotzky oder Paul Bonatz, der Musiker Paul Hindemith, der Politiker Ernst Reuter, um nur einige zu nennen. Sie haben bei der Modernisierung des Landes mitgewirkt, die Staatsgründer Kemal Atatürk der Türkei nach 1923 verordnet hatte. Vor allem halfen diese „Universitätsemigranten“ mit bei der Umsetzung der Bildungsreform von 1933, die ein wichtiger Baustein der Modernisierungspolitik Atatürks war...