ARCH+ 215: Hardcore-Architektur 2 - Politik versus Form

Siehe auch das zugehörige Heft ARCH+ 214 „Hardcore-Architektur 1“

Das nun erschienene Doppelheft ARCH+ 214 „Hardcore-Architektur 1“ und ARCH+ 215 „Hardcore-Architektur 2“ ist eine direkte Antwort auf die Ausgabe „Think Global, Build Social!“, die sich aus einem spezifischen Blickwinkel mit den Folgen der Kritik an der Moderne auseinandersetzte, die spätestens seit den 1960er Jahren aufhörte, eine einheitliche Bewegung mit einem absoluten Wahrheitsanspruch zu sein. Die Erkenntnis, dass es in der Architektur keine absoluten Wahrheiten mehr gibt, war geprägt durch die gegenkulturelle Suche nach einer anderen Gesellschaft und nach einem neuen Typus von Macht, die sich stark auf das Selbstverständnis der Disziplin auswirkte: nämlich in der Infragestellung der Autorschaft des Architekten sowie in einem neuen dialogischen Berufsbild.
Als Gegenentwurf zu dieser Richtung der Gegenwartsarchitektur, die den Prozess und die Partizipation zum Inhalt der Architektur macht, stellen wir in den beiden neuen Ausgaben eine Generation von Architekten vor, die nach der Dominanz soziologischer und technologischer Fragestellungen im Architekturdiskurs der letzten Jahrzehnte wieder die intellektuelle Potenz der Form in den Vordergrund stellt. Genauer gesagt setzen diese jungen Architekten auf das Potential der architektonischen Setzung und ihrer Wirkung im Kontext. Sie knüpfen dabei bewusst an historische Traditionslinien an und betonen die Eigengesetzlichkeit der Architektur. Die Anhänger dieser Position betonten die disziplinären Grenzen der Architektur, indem sie sich bemühen, den Kern der Disziplin herauszuarbeiten.
Seit den 1960er Jahren scheinen sich alle Strömungen der Architektur zwischen diesen beiden gegensätzlichen Positionen zu bewegen, die, so der italienische Architekturtheoretiker Manfredo di Robilant, der Trauerarbeit um den „Tod der Götter“ in der Architektur entspringen, der Erkenntnis also, dass es keine absoluten Wahrheiten mehr gibt. Di Robilant findet dafür zwei sehr sprechende Bilder: „Bei der ersten Position erkannte der Architektenklerus, dass die Welt keine Götter mehr hatte. Deshalb gaben sie vor, Laien zu sein und versuchten, sich in der agnostischen Menge zu verstecken.“ Bei der zweiten Position erkannte der Architektenklerus ebenfalls, dass Gott tot ist. Ihre Reaktion darauf ist aber gegensätzlich: „Sie gaben vor, selbst Götter zu sein und versuchten, sich von der agnostischen Menge abzugrenzen.“

Politik versus Form?
Damit sind die beiden Pole abgesteckt, die letztlich den unfruchtbaren Gegensatz von Form und gesellschaftlichem Gebrauch aufspannen. In der Ausgabe „Think Global, Build Social!“ haben wir mit der Betonung des Gebrauchs einen Ausweg aus diesem falschen Gegensatzpaar von Politik versus Form aufzuzeigen versucht. Denn diese Dichotomie, so Angelika Schnell, „macht aus Architekten politisch bewusstlose Technokraten oder Ästheten. Umgekehrt geht sie davon aus, dass gesellschaftspolitisches Engagement in der Architektur gleichbedeutend mit Verachtung für ästhetische Fragen sei.“
Mit den beiden vorliegenden Ausgaben betonen wir den Aufbruch, den Möglichkeitsraum, den die kritische Auseinandersetzung mit der Moderne für die heutige Architektur eröffnet hat.
 

ARCH+ features 22: Oda Pälmke
Wenn man ein durchgehendes Thema für die Arbeitsweise von Oda Pälmke benennen wollte, so wäre es das Thema der Appropriation, der Aneignung vorgefundenen Materials. Es handelt sich dabei um eine Strategie, die der kritische Apparat der Kunst entwickelt hat, um eine fruchtbare Auseinandersetzung mit dem Realen zu erlauben. Beiläufiges und Triviales, Vorgefundenes und Erfundenes entwickeln durch ihre spezifische Art der Be- und Durcharbeitung neue Bedeutungsebenen. Peter Sloterdijk hat in seinem Essay über das Kunstsystem diese Idee wie folgt zusammengefasst:
„Immer größere Teile der Wirklichkeit verwandeln sich in Rohstoff für Produktionen – in Ausgangsmaterie für Abbildungen, Beziehungen, Umwandlungen. Alles, was Produkt war, kann wieder Rohstoff werden, um erneut als leiende Materie die Einwirkungen von Arbeit zu speichern.“ … 

 

Inhaltsverzeichnis

Zeitung

2

Jedes Haus ein zerbrochener Spiegel

3-4

Nove Novos – Neun Neue: Emerging Architects from Brazil

5-6

Homecoming

7

Nikola Dischkoff zum Gedenken

7-8

Form, Follies, Function

8

In memoriam Felix Zwoch

9

Schwellenräume

Thema

10-13

Die Entrückung der Architektur oder: Eine neue kontemplative Tendenz

14-15

Architekturdarstellung

16-23

Von Jörn Janssen zu Rossi - Eine hochschulpolitische Affäre an der ETH Zürich

24-25

Einleitung - Positionen

26-29

WAI Think Tank: Das Manifest des Hardcorismus

30-33

WAI Think Tank: Die zeitgenössischen Formen von Hardcore-Architektur

34-37

Kostenloser Download

WAI Think Tank: Institute of Optimistic Architectures

38-47

FAR: Zentral- und Landesbibliothek Berlin

48-51

FAR & Skene Catling de la Peña: Checkerboard House

52-53

Atelier Kempe Thill: Statement

54-59

Atelier Kempe Thill: Social Condenser

60-61

Atelier Kempe Thill: Studentenwohnheim in Groningen

62-65

Atelier Kempe Thill: HipHouse

66-71

Atelier Kempe Thill & baukuh & GRAU: 900 km Nile City

72-73

Pezo von Ellrichshausen: Projektübersicht

74-79

Pezo von Ellrichshausen: Solo House

80-83

Pezo von Ellrichshausen: Gago House

84-87

Pezo von Ellrichshausen: Poli House

88-93

Christian Kerez: House With One Wall

94-99

Christian Kerez: Holcim Competence Center

100-105

Christian Kerez: Museum für Moderne Kunst in Warschau

106-107

Kostenloser Download

Eric Lapierre Architecture: Statement

108-113

Eric Lapierre Architecture: 86 Logements

114-117

Eric Lapierre Architecture: Maison Auriol

118-120

Eric Lapierre Architecture: Nationalmuseum in Oslo

121-123

Eric Lapierre Architecture: Centre d’art Le Point du Jour

124-127

Ideologiebewusstsein und Innovation

128-129

ORG Organization for permanent modernity: SOMA/GOVA

Features

133-148

ARCH+ features 22: Oda Pälmke - Die Fiktionalisierung des Bestehenden

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