ARCH+ 230: Projekt Bauhaus 2: Architekturen der Globalisierung

Ob Trump oder Brexit, FPÖ oder AfD: Rechtspopulistische Parteien und Strömungen machen weltweit mobil gegen die Globalisierung – und gegen den Universalismus. Ihr Erfolg hängt auch mit berechtigter Kritik an den sozialen Verwerfungen durch Neoliberalismus und Finanzkapitalismus zusammen. Allerdings werden Krisenphänomene der Modernisierung von den Populisten lediglich rhetorisch adressiert, um Partikularismen und nationalstaatliche Egoismen zu befördern. Das Zusammenwachsen der Weltgemeinschaft und die hart erkämpften universellen Werte der Moderne in Bezug auf Freiheitsrechte, Gleichberechtigung und Solidarität geraten dabei unter Beschuss. Diese Tendenzwende findet zu einer Zeit statt, in der Problemstellungen wie Klimawandel und Migration gerade eine stärkere internationale Zusammenarbeit erfordern.

Mit dieser Ausgabe, die im Rahmen von projekt bauhaus entstanden ist, wollen wir ein differenziertes Bild des Universalismus zeichnen. Dafür beleuchten wir kritisch die Architekturen der Globalisierung: Gemeint sind vor allem die Strukturen des globalisierten Lieferketten-Kapitalismus, die für die weltweite Ausbeutung von Ressourcen und Arbeitskraft sowie die universelle Zirkulation von Kapital und Waren sorgen, während Mobilität sich als Privileg des reichen Teils der Weltbevölkerung erweist. Damit stellt sich die Frage nach alternativen Denkmodellen für eine migratorische Weltgesellschaft, die nach neuen kosmopolitischen Normen (Seyla Benhabib) und einem ‚Recht auf Welt‘ jenseits nationalstaatlicher Grenzen verlangt.

Im Windschatten des kritischen Diskurses zum Universalismus der Moderne hat der globalisierte Kapitalismus einen selektiven Universalismus ausgebildet: Während Regeln, die die wirtschaftliche Ausbeutung erleichtern – wie etwa Patente, Copyrights und Industriestandards – sich nahezu universeller Geltung erfreuen, ist in anderen Rechtsbereichen Ungleichheit für den heutigen Kapitalismus konstitutiv, so etwa bei Arbeitnehmerrechten, Umweltschutz- und Steuergesetzen. Gerade die selektive Verknüpfung und Entkoppelung von Räumen unterschiedlicher Regulationsregimes ist grundlegend für das heutige globale Wirtschaftssystem. Es wäre daher falsch, die Krise der Gegenwart allein auf ein Übermaß an Universalismus zurückzuführen.

Das Heft zeigt, dass die Architektur einen neuralgischen Punkt besetzt, an dem die Kräfte der Globalisierung und lokaler Selbstbestimmtheit ausgehandelt werden. Kaum eine andere Disziplin ist so geeignet – und steht gleichzeitig so in der Pflicht –, die heutigen Herausforderungen in Angriff zu nehmen und ein allgemeingültiges Recht auf Welt mitzugestalten.

 

Inhaltsverzeichnis

Editorial

1-4

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Editorial

Thema

8-11

Universalismus – Ansprüche, Probleme und Potentiale

12-13

RECHT AUF WELT

14-19

Dämmerung der Souveränität oder das Aufstreben kosmopolitischer Normen?

20-31

NEUBAU – Über die Königsberger Straße und den Aleppoer Weg

32-41

Asylarchitekturen als Verhandlungsräume

42-47

Das Klima der Geschichte: Vier Thesen

48-55

Die Souveränität der Archipele – Eine Neukartierung des pazifischen Migrationsraums

56-57

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UNIVERSELLE BAUWEISEN

58-65

Anonyme Moderne – Architektur der Patente

66-73

Système Hennebique

74-75

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A Concrete World – Wie François Hennebique sein architektonisches Weltreich schuf

76-82

Alltag(s)-Wissen – Der Traum vom guten Leben

83-89

Habitat 67

90-97

Vom vernakulären zum informellen Bauen

98-101

Zum Vergleich

102-107

Lokale Artefakte, globale Archetypen – Notizen zur Nutzung des Betons in der griechischen Moderne

108-110

Sand – Ein Rohstoff wird knapp

111-115

Fotoessay

116-119

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Musterwand Recyclingbeton

120-123

Wohnsiedlung Werdwies

124-129

Erweiterung Landesmuseum Zürich

130-131

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UNIVERSALISMUS VERORTEN

132-139

Das Patio Grid

140-147

Die Human Community in Constantinos Doxiadis’ urbanisierter Welt

148-153

The Architects Collaborative in Bagdad

154-161

Architekturtransfer im Kalten Krieg

162-167

Das African Design Centre – ein afrikanisches Bauhaus?

168-169

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ARCHITEKTUR UND GLOBALISIERUNG

170-175

Architektur und Globalisierung

176-183

OfficeUS – Eine Archäologie globaler Architekturbüros

184-189

Die normale Katastrophe – Risiko-Outsourcing im Lieferketten-Kapitalismus

190-195

Der Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch

196-201

Life in iPhone City

202-207

Designed in California, Made in China

208-215

Die universellen Ordnungen der Zukunft – Die Headquarter von Apple, Facebook und Google

Timeline

224-231

ARCH+ uncovered: Timeline Universalismus und Globalisierung

Features

233-248

Spezifischer Gebrauchswert eines universalen Raums

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
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