ARCH+ features 27: Bungalow Germania

Sunday, June 8th, 2014,
11:00 am–12:30 pm,
German Pavilion "Bungalow Germania",
Architecture Biennale 2014,
Giardini della Biennale, Venice

with
Savvas Ciriacidis and Alexander Lehnerer – General Commissioners, German Pavilion
Rem Koolhaas – Director, 14th Architecture Biennale (t.b.c.)
Stephan Trüby – Director of Research, 14th Architecture Biennale (t.b.c.)
Philip Ursprung — Moderator, ETH Zurich

In conjunction with the opening of the 14th International Architecture Exhibition in Venice, ARCH+ will host a conversation with Savvas Ciriacidis and Alexander Lehnerer, the general commissioners of the German Pavilion. The discussion will center on “Bungalow Germania,“ Ciriacidis and Lehnerer’s spatial concept for the German Pavilion, and will seek to contextualize the exhibition within Rem Koolhaas’ overall theme for the national pavilions: “Absorbing Modernity: 1914–2014.”

 

Deutsch
Wir freuen uns, die Zusammenarbeit mit den Generalkommissaren des deutschen Beitrags zur Architekturbiennale, Savvas Ciriacidis und Alexander Lehnerer, ankündigen zu können. Anlässlich der Eröffnung der Architekturbiennale werden wir ihnen am Vormittag des 8. Juni im deutschen Pavillon in Venedig ein ARCH+ feature widmen. Die Diskussionsrunde mit den Generalkommissaren, dem Leiter der diesjährigen Architekturbiennale, Rem Koolhaas (angefragt), und dem Forschungsdirektor der Architekturbiennale, Stephan Trüby (angefragt), wird von Philip Ursprung moderiert. Die Veranstaltung bietet eine einmalige Gelegenheit, vor Ort die Inhalte des deutschen Beitrags im Kontext der Gesamtbiennale zu diskutieren. Bitte buchen Sie Ihren Aufenthalt in Venedig entsprechend einschließlich Sonntag, den 8. Juni 2014. Es lohnt sich!
 

Presseschau

Das mutige Experiment der Generalkommissare, Alex Lehnerer und Savvas Ciriacidis, eine Architekturausstellung nur mit einem Stück "echter" Architektur zu bestreiten und auf jegliche Kommentierung und Kontextualisierung in der Ausstellung zu verzichten, ruft unterschiedliche Reaktionen aus. Wir haben hier einige Pressestimmen zum deutschen Pavillon auf der 14. Architekturbiennale dokumentiert:

Laura Weißmüller, SZ, 5.6.14

Indem die Kuratoren die politische Rolle beider Bauten offenlegen, machen sie ein System sichtbar, das sich leicht auf andere Häuser übertragen lässt. Etwa auf das neue BND-Gebäude, das durch seine abertausend Glasfenster Offenheit suggeriert, obwohl von dort aus in Wahrheit die Durchleuchtung aller betrieben wird. Oder die amerikanische Botschaft in Berlin, die sich am Brandenburger Tor in einer Art monumentalem Hochbunker vor vermeintlichen Gefahren schützt, den sie aber nebenbei zu Spionageangriffen benutzt.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/architekturbiennale-in-venedig-mash-up-der-monumente-1.1985868


Jeanette Kunsmann, baunetz, 10.6.14

Auf den ersten Blick ein starker Auftritt, auf den zweiten Blick kaum mehr als Show. Beim wiederholten Besuch entzaubert sich der Beitrag als ein drapiertes Stillleben, in das man hineingehen kann. Was sich die beiden Bauten aus 1911/38 und 1964 zu sagen haben, geht als Echo zwischen den Glas- und Steinwänden im Nichts verloren. Es soll ein Dialog sein, ein gebauter, erläutern Lehnerer und Ciriacidis. Damit versprechen die Kuratoren einen Inhalt, eine Auseinandersetzung, einen Diskurs. Doch zu plakativ, zu dünn ist ihre Idee, die keine Fragen stellt.

http://www.baunetz.de/biennale/2014/Meldungen-Ein_Kommentar_zum_deutschen_Beitrag_in_Venedig_3924781.html


Nikolaus Bernau, Berliner Zeitung, 10.6.14

Alle diese Pavillons zeigen den dominanten ästhetischen Einfluss des Statistik-, Schrift- und Bildsüchtigen Rem Koolhaas, alle wollen etwas erzählen, in allen soll man lernen. Nicht allerdings im Deutschen Pavillon, der immer weniger überzeugt, je öfter man ihn besucht. Die Schweizer Architekten Alex Lehnerer und Savas Chiriacidis haben den Nachbau des Bonner Kanzlerbungalows von 1964 in den 1938 monumentalen Deutschen Pavillon montiert. Der zuerst interessante formale Kontrast Nazi-Pfeiler versus Demokratie-Glasscheibe ist schnell verstanden. Dann wünscht man sich die Geschichte hinter den Formen. Die aber bieten die Kuratoren nur sehr bedingt an. … Vom Deutschen Pavillon 2014 werden vor allem der Dienst-Mercedes von Helmut Kohl, das Geheimhaltungs-Künstler-Bla-Bla der Architekten und das vorzügliche Sonderheft der Zeitschrift Arch+ in Erinnerung bleiben.

http://www.berliner-zeitung.de/kultur/architekturbiennale-in-venedig-das-gute-erzaehlen-gewinnt,10809150,27391902.html


Amber Sayah, Stuttgarter Zeitung, 10.6.14

Die Kuratoren Savvas Ciriacidis und Alex Lehnerer lassen nun in einer intelligenten Montage zwei gegensätzliche architektonische Haltungen und zwei Konzepte staatlicher Repräsentation aufeinanderstoßen: Dem Pavillongebäude haben sie eine 1:1-Teilnachbildung des Bonner Kanzlerbungalows implantiert, den Sep Ruf 1964 als Privatwohnsitz für Ludwig Ehrhardt und nachfolgende Regierungschefs baute. Hier steinerne Achsialsymmetrie, schwere Säulen, Portikus, da Transparenz, Asymmetrie, Reduktion als Ausdrucksträger der jungen, ideologisch geläuterten Bundesrepublik. Architektur spricht im „Bungalow Germania“ durch sich selbst. Der Vermittlung durch Fotos und Pläne bedarf es nicht. Das überzeugt als Konzept. Aber die Moderne endet bei Ciriacidis/Lehnerer in den Sechzigern, wie übrigens in zahlreichen anderen Länderpavillons auch – vor einem halben Jahrhundert. Das Ergebnis des Verschnitts nimmt sich am Ort auch spannungsloser aus als die Idee erwarten ließ. Und die DDR-Moderne fällt gleich ganz unter den Tisch.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.architekturbiennale-in-vednedig-bonn-an-der-lagune.7c12865b-f836-4920-8ba5-cb60137dd2b7.html


Dieter Bartetzko, FAZ, 11.6.14

Umso erstaunlicher, dass Deutschland, während der letzten Biennalen immer an vorderster Front, wenn es um die neueste Träne im Ozean oder sonstigen Betroffenheitskitsch ging, diesmal Distanz zu allen Sentimentalitäten, aber auch allem Zweckoptimismus hält. Stattdessen bietet es Witz, Mut und Gelassenheit: Als „Haus im Haus“ empfängt im deutschen, 1936 zur NS-Staatsarchitektur aufgedonnerten Pavillon den Besucher eine Replik des gläsernen Kanzlerbungalows, den Sep Ruf für Ludwig Erhard baute. Stein gegen Glas, Diktatur gegen Demokratie: Die Kuratoren Savvas Ciriacidis und Alex Lehnerer inszenierten das nicht als bleischweren Gedankenkampf, sondern lassen die Dinge für sich sprechen.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/architekturbiennale-in-venedig-zur-hoelle-mit-den-betonwuesten-12982212.html


Bernhard Schulz, Tagesspiegel, 13.6.14

Der deutsche Pavillon wird diesmal betreut vom Duo Savvas Ciriacidis und Axel Lehnerer und hebt sich wohltuend von der wohlfeilen Bekämpfung des NS-Ungeistes vergangener Biennalen ab. Schließlich wurde 1938 aus dem verspielten „Bayerischen“ (!) Pavillon der großdeutsche Schauraum mit dem eingemeißelten Namen „Germania“. Den damaligen Architekten Ernst Haiger kennt niemand mehr. Hingegen ist Sep Ruf ein bedeutender Vertreter der bundesdeutschen Nachkriegsarchitektur. Er hat 1964 für Ludwig Erhard den Bonner „Kanzlerbungalow“ entworfen, und den haben die beiden in der Schweiz lehrenden Architekten als Teilnachbau im Originalmaßstab in die drei Räume des Pavillons hineinkomponiert. „Auf diese Weise wollen wir das eine Gebäude durch das andere ,lesen’“, so die Erläuterung zum Beitrag „Bungalow Germania“.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/architektur-biennale-in-venedig-qualitaets-check-fuer-die-moderne/10041198.html


Adrian Prechtel, Abendzeitung München, 13.6.14

Denn hier haben die deutschen Kuratoren etwas Wunderbares geschaffen: Man tritt also durch den acht Meter hohen, kalt-neoklassizistischen Eingang, der nicht zufällig an das Münchner Haus der „Deutschen“ Kunst erinnert und landet unter drei Meter hohen, hellen Holzpanel-Decken im „Wohnzimmer der Nation“.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.architektur-biennale-von-venedig-im-wohnzimmer-der-deutschen.a5acb664-f16a-457e-87b3-b1c6cd8bfd68.html 

AF27.jpg Bungalow Germania, Ciriacidis Lehnerer Architekten
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