Otto Bartning (1883-1959) – Architekt einer sozialen Moderne

Geschrieben am 08.06.2017
Kategorie(n): ARCH+ news, Ausstellung, Akademie der Künste Berlin, Symposium

Ausstellung 31. März – 18. Juni 2017
Symposium 9. und 10. Juni 2017
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

Die Ausstellung „Otto Bartning (1883-1959). Architekt einer sozialen Moderne“ würdigt erstmals alle Bereiche des vielschichtigen Lebenswerks von Otto Bartning. Als Architekt und Theoretiker der Moderne, als Inspirator und Kritiker, Schriftsteller und Berater hat Bartning die Baukultur des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt. Dabei setzte er neue Maßstäbe in der engen Verbindung von künstlerischem Anspruch und sozialer Verantwortung, berücksichtigte in seinen in ganz Deutschland und auch im europäischen Ausland errichteten Kultur-, Sozial- und Wohnbauten menschliche Bedürfnisse, Gebrauchsfähigkeit und Akzeptanz. In seinem Bestreben, stets auch der spirituellen Dimension im Leben der Gesellschaft einen angemessenen Raum zu geben, wurde er schon früh zum Protagonisten des modernen evangelischen Kirchenbaus. 

Die umfassende Retrospektive, kuratiert von Sandra Wagner-Conzelmann, führt anhand von originalen Zeichnungen, Fotografien und Architekturmodellen durch vier Epochen deutscher Geschichte. Viele bisher noch nicht präsentierte Exponate sind zu sehen, da für die Ausstellung erstmals der im Otto-Bartning-Archiv der TU Darmstadt erschlossene gesamte private Nachlass Bartnings zur Verfügung stand.

Bartnings Bauten im Kaiserreich zeigen beispielhaft die radikale Abkehr vom noch gängigen Historismus. Nach dem Ersten Weltkrieg prägte er zusammen mit Architekten wie Walter Gropius und Bruno Taut das Neue Bauen der Weimarer Republik. Mit seinem Entwurf der Sternkirche (1922) und der Stahlkirche (1928), einer innovativen Montagekirche, schuf er Leitbauten des Kirchenbaus. Einzigartig ist auch das Notkirchenprogramm, in dem ab 1946 seriell vorgefertigte Typenkirchen in 43 deutschen Städten entstanden. Als Mitbegründer des Deutschen Werkbunds nach 1945 und Gründungsmitglied der Sektion Baukunst der Akademie der Künste 1955 bestimmte er programmatische Leitlinien der Architekturentwicklung der jungen Bundesrepublik mit. 

Die Internationale Bauausstellung „Interbau 1957“ in Berlin bildete einen weiteren Höhepunkt seines Lebenswerks. Unter Bartnings Leitung entstand der Bebauungsplan für das Hansaviertel, dessen 60-jähriges Jubiläum dieses Jahr gefeiert wird. Die Berliner Siedlungen Siemensstadt und Haselhorst sowie  die Darmstädter Meisterbauten sind weitere Großprojekte, an denen Bartning maßgeblich beteiligt war.

Weitere Stationen der Ausstellung sind Bartnings Geburtsstadt Karlsruhe (Städtische Galerie Karlsruhe, 22.7.– 22.10.2017) und Darmstadt, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte (Institut Mathildenhöhe Darmstadt, 19.11.2017–18.3.2018).

Weitere Informationen: www.adk.de/bartning

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Symposium

Otto Bartning. Architekt einer sozialen Moderne

9. und 10. Juni 2017, Akademie der Künste, Berlin, Hanseatenweg 10


Begleitend zur Ausstellung „Otto Bartning (1883-1959). Architekt einer sozialen Moderne“ führt am 9. und 10. Juni ein vertiefendes Symposium Expertinnen und Experten in der Akademie der Künste, Hanseatenweg, zusammen. Die Architektur- und Kunsthistorikerin sowie Kuratorin der Ausstellung Sandra Wagner-Conzelmann, die Direktorin des Bauhaus-Archivs Berlin Annemarie Jaeggi, Werner Durth von der TU Darmstadt/Otto-Bartning-Archiv und weitere Referentinnen und Referenten analysieren und kontextualisieren Bartnings Werk. Der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt hält am Freitagabend den Eröffnungsvortrag über die Beziehungen zwischen den beiden Kirchenerbauern Otto Bartning und Rudolf Schwarz. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Juni zu sehen.

Otto Bartning hat als Architekt und Theoretiker der Moderne maßgeblich die Kultur des Bauens im 20. Jahrhundert beeinflusst. Sein Oeuvre umfasst neben Kirchenbauten qualitätsvolle Sozial- und Siedlungsbauten, Einzelwohnhäuser und Inneneinrichtungen. Als Architekt einer sozialen Moderne suchte Bartning, bei aller Funktionalität und Ökonomie des Gebauten, stets auch der spirituellen Dimension im Leben der Gesellschaft angemessenen Raum zu geben. 

Programm
Freitag, 9. Juni 2017

19 Uhr, Begrüßung Wilfried Wang, stellvertretender Direktor der Sektion Baukunst
Vortrag Wolfgang Pehnt
Stillschweigende Freundschaft. Der Protestant Otto Bartning und der Katholik Rudolf Schwarz
anschließend Gespräch mit Sandra Wagner-Conzelmann, Wolfgang Pehnt, Regina Stephan und Kai Kappel. Moderation Werner Durth 

Samstag, 10. Juni 2017

1883 – 1918
10 Uhr, Einführung und Moderation Sandra Wagner-Conzelmann
10.10 – 10.30 Uhr, Regina Stephan, Darmstadt/Mainz
Vorgänger, Vorbilder, Vordenker – Bartnings frühe Jahre
10.30 – 10.50 Uhr, Rainer Schmitz, Berlin
„Vorgänge der Abwandlung und Entwicklung“. Otto Bartnings Auseinandersetzung mit Paul Schultze-Naumburg im Kunstwart
10.50 – 11.20 Uhr, Diskussion
11.20 – 11.40 Uhr, Pause

1918 – 1945
Moderation Regina Stephan
11.40 – 12.00 Uhr, Kerstin Wittmann-Englert, Berlin
„Sichtbare Form und Gestalt der Gemeinschaft“. Otto Bartning und der Kirchenbau
12.00 – 12.20 Uhr, Annemarie Jaeggi, Bauhaus-Archiv Berlin
Otto Bartning, Walter Gropius und die Folgen
12.20 – 12.40 Uhr, Christian Welzbacher, Berlin
Otto Bartning, der Deutsche Werkbund und die Kulturpolitik in der Weimarer Republik
12.45 – 13.45 Uhr, Mittagspause
13.45 – 14.05 Uhr, Udo Gleim, Darmstadt
Bau Entwurf Lehre – Das Aktive Bauatelier der Staatlichen Bauhochschule Weimar
14.05 – 14.25 Uhr, Sandra Wagner-Conzelmann, Aachen
Kirchenbauten ohne „heftiges Gestikulieren und aufdringliches Geschrei“:
Otto Bartnings Tätigkeiten für das Kirchliche Außenamt der Evangelischen Kirche
14.25 – 15 Uhr, Diskussion
15 – 15.30 Uhr, Pause

Nach 1945
Moderation Kerstin Wittmann-Englert
15.30 – 15.50 Uhr, Kai Kappel, Berlin 
Not gestalten – Otto Bartnings Beiträge zum Aufbau nach 1945
15.50 – 16.10 Uhr, Dorothea Deschermeier, Heidelberg
Gebaute Programmatik: Der doppelte Wiederaufbau der Gustav-Adolf-Kirche in Berlin-Charlottenburg
16.10 – 16.30 Uhr, Paul Sigel, Berlin
Moderator und Vermittler: Otto Bartning als städtebaulicher Berater in Berlin
16.30 – 16.50 Uhr, Werner Durth, Darmstadt
Otto Bartning in Darmstadt. Impulse zur Baukultur der Nachkriegsmoderne
16.50 – 17.30 Uhr, Diskussion
17.30 – 19.00 Uhr, Gemeinsamer Besuch der Ausstellung

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