Festival ÜBER LEBENSKUNST

Perspektiven nachhaltiger Lebenskunst, vom 17. bis 21. August 2011 im Haus der Kulturen der Welt und im Stadtraum Berlin: 101 Stunden Programm mit Konferenz, Workshops, Installationen, Performances, Konzerten, Filmen, Exkursionen, Gesprächen, Lesungen

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Krise als Chance! Der menschengemachte Klimawandel schafft neue Perspektiven auf unsere lokalen Lebensweisen und unser Verständnis von globaler Politik. Kann eine neue Kunst zu leben auch unser Überleben sichern? Was ist das „gute Leben“ unter den Bedingungen der globalen ökologischen Krise? Und wie kommen wir zu einem kulturellen Wandel der Gewohnheiten und Verhaltensweisen?

Die Kulturstiftung des Bundes startete in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt das mehrteilige Programm ÜBER LEBENSKUNST, das seit April 2010 Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenführt, um bestehende Ansätze aufzuzeigen und alltagstaugliche Lebensmodelle zu entwickeln. Für das Festival ÜBER LEBENSKUNST verwandeln Künstler, Wissenschaftler und Aktivisten das Haus der Kulturen der Welt (HKW) 101 Stunden lang in einen Ort, an dem Besucher aller Altersgruppen rund um die Uhr nachhaltige Lebenskunst erproben können, die Lebensgenuss und aktives Handeln miteinander verbindet – vom regionalen Frühstück am Haus, über Workshops, Gespräche, Installationen, Exkursionen bis hin zur Übernachtung in temporären Nachtherbergen.

Das Haus der Kulturen der Welt erfindet sich neu

Gebäudesanierung, Klimaneutralität, Energieeffizienzsteigerung – wirklich faszinierend klingt der Wandel zu einer nachhaltigen Lebensweise nicht! Es geht auch anders. Vier Sommertage und Nächte lang stellt das Haus der Kulturen der Welt die Notwendigkeit, unser Leben anders als bisher zu gestalten, als Experimentierfeld für die zeitgenössischen Künste, als eine Werkstatt für neue Gewohnheiten vor und sich selbst zur Schau. Installationen von internationalen Künstlern in und am HKW laden dazu ein, das Gebäude anders zu erleben. Salatpflanzen sprießen aus den repräsentativen Wasserbecken und eine Konstruktion aus Abfall von Großevents von Folke Köbberling und Martin Kaltwasser erweitert die Architektur des Hauses. Rikke Luthers parasitäre Wohnstruktur auf der Terrasse zeigt, wie organischer Abfall unseren Lebensraum erwärmen kann. Das Numen lässt dort eine Trinkquelle aus gefiltertem Spreewasser entspringen, während Adrian Lohmüller mit seiner Installation einlädt, sich an der Außenfassade der Ausstellungshalle mit Regenwasser zu duschen. Christoph Keller beleuchtet mit seinem helioflex-Sonnenspiegel einen Innenraum des HKW und macht die Wechselwirkung von natürlichem Tageslicht und Architektur erfahrbar.

Eine über das Jahr angelegte „Vorratskammer“ der Künstlerinnengruppe myvillages.org wird am Festival geleert und mit den regionalen Nahrungsmitteln kommen auch die mit ihnen verbundenen Geschichten zum Vorschein. Täglich werden verschiedene Speisen für verschiedene Anlässe zubereitet – vom Frühstück über eine große Tafelrunde bis zum Grillfest.

Den Soundtrack zu ÜBER LEBENSKUNST liefern u.a. Bonaparte mit ihrem „Look-at-what-we-found-in-your-backyard 4tet“, Peaches mit einem DJ-Set, die Avantgarde-Formation „zeitkratzer“ mit einem unplugged-Konzert ihres elektronischen Repertoires sowie die WMF-DJs mit einer Clubnacht. Am Eröffnungsabend vertont Berlins internationale Musikszene den Klimawandel.

In den Performances während des Festivals geht es um ein wahrhaft bewusstes Leben und die Beschränkung auf das Wesentliche. Während Benjamin Verdonck in seinem Erlebnispark experimentiert, ob das Halbe nicht das Ganze sein kann, lässt sich Ivan Civic in seiner Langzeitperformance „Welcome Home“ auf eine bewusste Einschränkung seines Lebensraums ein. Kris Verdonck beschäftigt sich mit einer neuen Qualität des Schlafens. Martin Clausen, Lars Rudolph, Beatrice Fleischlin, Monster Truck, Mariahilff u.a. erproben eine Performance-Nacht lang das Leben in den Wäldern.

Florian Wüsts Filmprogramm reflektiert die inhaltlichen Spannungsfelder von ÜBER LEBENSKUNST durch künstlerische Visionen und Geschichten des Alltags.

Im Foyer des HKW bauen FAT KOEHL ARCHITEKTEN eine durch das Neben- und Übereinanderlagern mehrerer Holzkonstruktionen entstehende Stadtstruktur „imbau einbau“, deren zukünftiges Leben ebenso zentral ist wie ihre Rolle im Festival. Die Besucher können in den neu entstandenen Räumen an Workshops zu Themen wie Mobilität, Ernährung, Bildung, Ressourcenverbrauch teilnehmen sowie Gespräche mit Experten, Politikern und Künstlern führen. Das Bildungsprogramm ÜBER LEBENSKUNST.Schule präsentiert sich mit Aktionen und Diskussionen und arbeitet vor Ort mit Schülern. Junge Erwachsene schlagen während des Festivals ein Camp auf und debattieren das Programm aus der Perspektive der kommenden Generationen. Und auch die Festivalbesucher sind eingeladen zu Teilnehmern und Mitmachern von ÜBER LEBENSKUNST zu werden und in nomadischen Nachtherbergen zu übernachten, die von Studierenden der „Habitat Unit“ der TU Berlin entworfen wurden.

Berlin - „Unter den Pflastern der Stadt liegt die Stadt von Morgen“

Am vorletzten Festivaltag heißt es „Da mach ick mit“, Berlin und seine Bewohner stehen im Mittelpunkt des Festivals. Berliner Politiker diskutieren im HKW über aktuelle politische Fragen wie eine CO2-freie Klimahauptstadt, Energiewende u.v.m. Das Festival führt in den Berliner Stadtraum, wo sich die 14 ÜBER LEBENSKUNST.Initiativen präsentieren, die nach weltweiter Ausschreibung seit September 2010 gefördert werden. „Energy Harvesters“, utopisch-praktische Objekte, fangen überschüssige Energie an U-Bahn-Stationen ein, Pfandflaschensammelstationen in Parks regen zur Werteumverteilung an und ein Kreuzberger Fitnessstudio verwandelt sich in ein Kleinstkraftwerk. Die Studierenden des Center for Metropolitan Studies an der TU Berlin stellen in Exkursionen das nachhaltige Berlin vor. Die Touren machen die meist unsichtbaren Wege unserer Abfälle sichtbar, führen zu Orten der Besinnung und Muße und lassen Mobilität anders erfahrbar machen.

ÜBER LEBENSKUNST @ die Welt

ÜBER LEBENSKUNST verbindet die lokale Aktionsebene mit der globalen Diskursebene. Die Konferenz zum Festival bringt in Diskurs und Performance sechs Weltregionen zusammen, wofür die Städte St. Petersburg, Neu Delhi, Nairobi, São Paulo, New York und Berlin stehen. Das Auditorium des HKW wird dafür zum „Global Room“, in dem internationale Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, Aktivisten und Künstler virtuell und in persona aufeinander treffen, sich mit dem Publikum austauschen, Performances und praktische Modellprojekte vorstellen und lokale Problemstellungen und Lösungsansätze nachhaltiger Entwicklung unter einer globalen Perspektive diskutieren. Alle Debatten können auf fünf Leinwänden im Auditorium sowie in Partnerinstitutionen auf anderen Kontinenten live mitverfolgt werden. Sechs internationale Experten sind während des Festivals zu Gast im HKW: Arjun Appadurai (USA), Nnimmo Bassey (Nigeria), Tim Jackson (GB), Juliet Schor (USA), Vandana Shiva (Indien). Mit den Festivalbesuchern und weiteren Experten werden sie über folgende Frage sprechen: Was macht uns wirklich glücklich und wie kommen wir dahin? Wie werden wir nachhaltig in einer post-fossilen Gesellschaft leben? Was muss dafür geschehen? Wer sorgt dafür, wer entscheidet und wer macht mit? Sind wir mitverantwortlich für den Rest der Welt? Wann fangen wir an? Die fünf Satelliten werden in Kooperation mit den Büros des Goethe-Instituts und der Heinrich-Böll-Stiftung organisiert.

Nachhaltigkeit in der Kulturproduktion

Mit dem Festival reflektiert ÜBER LEBENSKUNST auch die Praxis zeitgenössischer Kulturproduktion und verfolgt das Ziel, das gesamte Projekt möglichst ressourcenschonend, emmissionsarm und klimaneutral umzusetzen. ÜBER LEBENSKUNST wird mit all seinen Teilprojekten wissenschaftlich-technisch vom Öko-Institut e.V. zu nachhaltigem Management und zur umweltfreundlichen Durchführung beraten. Die durch Betrieb und Veranstaltungen entstehenden und unvermeidbaren schädlichen Auswirkungen auf Klima und Umwelt werden nicht nur über den sparsamen Einsatz von Energie und Materialien, die weitgehende Vermeidung von Langstreckenflügen und die Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel verringert, sondern auch über Investitionen in den Klimaschutz ausgeglichen. Das HKW als zentraler Veranstaltungsort führt derzeit ein Umweltmanagementsystem ein, um seinen Energie- und Ressourcenverbrauch zu optimieren. Ausgehend von den Erfahrungen des Projekts wird ein Leitfaden für ein nachhaltiges Management von Kunst- und Kulturveranstaltungen erarbeitet, der sich auf die Region Berlin- Brandenburg bezieht.

Eine Programmauswahl finden Sie auf den Seiten des Haus der Kulturen der Welt.

Künstlerische Leitung ÜBER LEBENSKUNST: Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin, Kulturstiftung des Bundes und Dr. Bernd M. Scherer, Intendant, Haus der Kulturen der Welt; Kuratoren: Detlef Diederichsen, Leiter Bereich Musik, Tanz, Theater, HKW; Paula Marie Hildebrandt, Politologin,Kuratorin und Stadtforscherin, Jenny Jungehülsing, Politologin und Gutachterin; Janek Müller Dramaturg & Regisseur; Valerie Smith, Leiterin Bereich Bildende Kunst, Film, Medien, HKW; Dr. Susanne Stemmler, Leiterin Bereich Literatur, Gesellschaft, Wissenschaft, HKW; Florian Wüst, Filmkurator & Künstler

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