Doppelte Ökonomien: Ausstellung

Geschrieben am 30.04.2012
Kategorie(n): ARCH+ news, Ausstellung, Kunst, Lei

Vom Lesen eines Fotoarchivs aus der DDR (1967 – 1990) /
6. Mai – 1. Juli 2012 /
Eröffnung: 5. Mai 2012, 16 Uhr /
HALLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Leipziger Baumwollspinnerei

„Doppelte Ökonomien” beginnt mit einem Foto-Archiv aus der DDR. Der Fotograf des Archivs ist Reinhard Mende. Als Auftragsarbeiten realisiert, dokumentieren und inszenieren die Aufnahmen Produktionssituationen in Volkseigenen Betrieben (VEB) und die Internationale Leipziger Messe von 1967 bis 1990. Als ehemals wichtigster Handelsplatz zwischen Ost und West, markieren insbesondere die Fotografien der Leipziger Messe einen ökonomischen Raum, der doppelt gebunden ist: sozialistisch in seiner Produktion und kapitalistisch in seiner Präsentation. Darin verknüpfen sich Beziehungen sowohl zu Ländern des ehemaligen Nicht-Sozialistischen Wirtschaftsgebiets (NSW) wie der BRD, Schweden und Frankreich als auch zu Ländern, die sich seit Mitte der 1970er im revolutionären Befreiungskampf befanden wie Angola, Mozambik und Äthiopien.

Von dort entfaltet sich „Doppelte Ökonomien” in zeitgenössische künstlerische und räumliche Positionen, historische und theoretische Analysen sowie die Produktion eines Videoprojekts. Die verschiedenen Praxisformen, sowohl in Bezug auf das Lesen des Archivs als auch der davon teilweise unabhängig agierenden KünstlerInnen, öffnen folgende Kernfrage: Welche Artikulationsformen stehen uns zur Verfügung, um die Verflechtungen von Sozialismus und Kapitalismus in Form von Design und Bildproduktion in ihren Widersprüchen zu erfassen und für aktuelle Probleme nützlich zu machen?

Im Zentrum von „Doppelte Ökonomien“ steht eine kollektive Praxis als Methode der Aktualisierung sowohl in Bezug auf die Aufführung des Archivs als auch im Sinne eines kuratorischen Verfahrens. KünstlerInnen, TheoretikerInnen, WissenschaftlerInnen und ehemalige ProtagonistInnen wurden eingeladen, das Archiv zu sichten, zu kommentieren oder eine Auswahl zu treffen. In diesem kollektiven Arbeitsprozess entstand eine vielstimmige Aufführung des Archivs, das auch über eine non-lineare Auseinandersetzung mit der DDR berichtet.

„Doppelte Ökonomien“ wird von Armin Linke, Doreen Mende und Estelle Blaschke (Gruppe PRODUZIEREN) kuratiert und von Philip Ursprung beraten. Es besteht aus einer Ausstellungsreihe (Architektur: Kuehn Malvezzi), einer Publikation (Design: Werkplaats Typografie, Arnhem. Verlag: spector books, Leipzig) und einer Website, die das Archiv öffentlich und langfristig nutzbar macht (www.doubleboundeconomies.net).

HALLE 14
Leipziger Baumwollspinnerei
Spinnereistr. 7
04179 Leipzig
www.halle14.org

Weitere Ausstellungsstationen:
Centre de la photographie, Genf (Sept. – Okt. 2012)
Eidgenössische Technische Hochschule, Zürich (Jan. – Feb. 2013)

Mitwirkende:
Reinhard Mende, *1930, Fotograf (D);
Bettina Allamoda, *1964, Künstlerin (D); Addis Belete, *1976, Fotograf (ET); Peter Herbert Beyer, *1933, Designer (D); Fabian Bechtle, *1980, Künstler (D); Hans-Otto Bräutigam, *1931, Diplomat (D); KP Brehmer, 1938-1997, Künstler (D); Haile Gabriel Dagne, *1941 (ET); Paola de Martin, *1965, Designhistorikerin (CH); Harun Farocki, *1944, Künstler, (D); Mark Fisher, *1968, Theoretiker (GB); Laure Giletti, *1986, Grafikdesignerin (F); Otolith Group, Kodwo Eshun, Theoretiker, *1967 und Anjalika Sagar, *1968, Künstlerin (GB); Sven Johne, *1976, Künstler (D); Matthias Judt, *1962, Wirtschaftshistoriker (D); Kiluanji Kia Henda, *1978, Künstler, (AO); Helgard Hirschfeld, *1949, Archivarin (D); Valeria Malito, *1984, Designstudentin (IT) und Katja Saar, *1984 Designstudentin, (D); Kuehn Malvezzi, Architekten (D, IT); Katrin Mayer, *1974, Künstlerin (D); Allan Sekula, *1951, Künstler/Theoretiker (USA) und Noël Burch, *1932, Kritiker/Filmemacher (USA); Kerstin Stakemeier, *1975, Kunsthistorikerin (D); Philip Ursprung, *1963, Kunsthistoriker (CH); Thomas Weski, *1953, Kurator (D); Malte Wandel, *1982, Künstler (D); Christopher Williams, *1956, Künstler (USA, D).

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