Wohnempirien

Die Welt der Jugendlichen

 

 
Jeder, oder fast jeder, wohnt und ist darin Experte. Trotzdem wissen wir nicht viel über das Wohnen heute, zu wenig jedenfalls, wenn es um die Festlegungen geht, die Architektur und Planung für unser tagtägliches Leben treffen.

Das hat zwei Gründe: Zum einen ist der Blick auf das Wohnen verstellt, da es seit jeher kulturelles Schlachtfeld und Gegenstand von Erziehung war. Zum anderen erfährt das Wohnen einen tiefgreifenden Wandel, bedingt durch gesellschaftliche Umwälzungen. Die Parameter dieser gesellschaftlichen Umwälzungen sind bekannt – Änderungen in der Sozial-, Alters- und Familienstruktur sowie in den Arbeitsverhältnissen –, ihre Auswirkungen auf die Wohnverhältnisse können nur vermutet werden. Es gibt derzeit kaum empirische Studien über den Wohnalltag der Bevölkerung, über Lebensmodelle, Formen des Zusammenlebens und Nutzungsweisen des Raums. Entsprechend sind unsere Vorstellungen vom Wohnen einem Bild verhaftet, das bereits in den 70er Jahren, als es noch auf der Grundlage breiter empirischer Sozialforschung gezeichnet werden konnte, erste Risse zeigte.

Dieses Bild lässt sich nur empirisch korrigieren. Die Zeitschrift ARCH+, seit ihren Anfängen in besonderer Weise der “Wohnungsfrage” verpflichtet, widmet sich in einem langfristig angelegten Forschungs- und Publikationsprojekt dieser Aufgabe. Anknüpfend an Henri Lefebvre geht es um die Fortentwicklung einer “Kritik des Alltagslebens”. Die Ausstellung ist ein kleiner Schritt auf diesem Weg.

Die ungewöhnlichen und unkonventionell aufgenommenen Fotos sind das Ergebnis des Wettbewerbs Room Shooting – zeig uns wie du wohnst, der von ARCH+ an Schulen im Raum Aachen-Köln mit Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren im Sommer 2007 durchgeführt wurde.

Die Ausstellung führt uns direkt zu den Jugendlichen nach Hause, in ihr eigenes Zimmer. Es ist eine vielfältige und farbige Welt, eine Welt für sich, die gleichermaßen von den Spuren des Alltags und der Phantasie geprägt wird. Die Räume zeigen eine – bis auf die Nahrungszubereitung und die sanitären Einrichtungen – in sich geschlossene Lebenswelt, die mit allem ausgestattet ist, was sowohl für den privaten Rückzug als auch die Kontaktaufnahme mit der Außenwelt erforderlich ist. Insbesondere die Ausstattung mit den neuen Medien ist weit vorangeschritten. Diese Tendenz zur eigenen Lebenswelt innerhalb der Wohnung, die ja selber eine gesonderte Lebenswelt bildet, gilt unabhängig von der Schulform, obwohl sich nach wie vor schichtenspezifische Unterschiede ausmachen lassen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch eine knappe Dokumentation, wieviel Zeit die Jugendlichen in ihren Räumen allein oder mit Freunden verbringen, womit sie sich beschäftigen und welche Gegenstände für sie von besonderer Relevanz sind. Daraus ergibt sich, dass der Stellenwert des eigenen Zimmers für Jugendliche sehr viel größer ist, als gemeinhin vermutet wird. Statements der Jugendlichen zu ihrer Lebenswelt, zu ihren Wohnvorstellungen und zu aktuellen Fragen der Gegenwart runden das Bild ab.

Ein Highlight bildet die Fotoserie mit den Porträts der Jugendlichen von Albrecht Fuchs.


Mit freundlicher Unterstützung von:

IKEA Stiftung und M:AI, NRW

Eröffnung:
19. September 2008, 18 Uhr
VHS – Studienhaus am Neumarkt
Josef-Haubrich-Hof 2, 50676 Köln

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