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Rendering: BerlinHaus Verwaltung GmbH
Aufruf zum Protest

HEJDUKS KREUZBERGER WOHNTURM IN GEFAHR

Der weitgehende Rückzug der Kommunen aus dem staatlich geförderten sozialen Wohnungsbau macht sich nicht nur an steigenden Mieten in guten Wohnlagen bemerkbar, sondern verlangt in Berlin auch sein erstes prominentes architektonisches Opfer. Der rot-rote Senat hatte bereits 2003 beschlossen, den Ausgleich zwischen billiger Sozialmiete und hoher Kostenmiete spätestens 2016 auslaufen zu lassen. Insgesamt 28.000 Sozialwohnungen sind davon betroffen. Die Folge sind steigende Mieten und damit verbunden die Vertreibung der angestammten Mieter. Betroffen sind aber auch etliche Wohnungsgesellschaften, die in die Insolvenz gehen, Häuser verkaufen oder versteigern mussten.

Im Zuge einer Zwangsversteigerung wechselten auch die Berliner „Kreuzberg Towers“, eines der seltenen realisierten Projekte des verstorbenen Architekten John Hejduk, den Besitzer. Hejduk war als Dekan der Cooper Union School of Art and Architecture in New York (1975–2000) und als Mitglied der „New York Five“ und der sogenannten „Texas Rangers“ eine prägende Figur des amerikanischen Architekturdiskurses. Er began seine Lehrtätigkeit kurz nach seinem Abschluss in Harvard und wurde neben Colin Rowe und Bernhard Hoesli einer der führenden Akteure der „Texas Rangers“, die in den 1950er Jahren ein höchst innovatives Lehr- und Lernkonzept an der University of Texas in Austin entwickelten, um sowohl die kulturelle und formale Vorherrschaft des Beaux-Arts-Systems als auch die von Gropius etablierte Bauhaus-Pädagogik in den USA zu brechen. Das methodisch-didaktische Konzept sollte später in Form des prägenden Grundkurses von Bernhard Hoesli und Heinz Ronner seinen größten Einfluss an der ETH Zürich entfalten. In seiner 25-jährigen Amtszeit als Dean hat Hejduk das Texas-Modell, das das architektonische Entwerfen als Prozess begriff, originell weiterentwickelt und eine Vielzahl später berühmt gewordene Absolventen wie Daniel Libeskind und Elizabeth Diller geprägt.

Berühmt als Zeichner, hat Hejduk kaum eine Handvoll Projekte realisiert. Dazu gehört der Kreuberger Wohnturm (1988), ein Gebäudekomplex bestehend aus einem schlanken 14-geschossigen Hochhaus, das von zwei fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern flankiert wird. Diese städtebaulich einprägsame Figur war Hejduks Beitrag zum Thema der Stadtreparatur im Sinne der Berliner IBA-Neubau. Nachdem die Gebäude lange Zeit vernachlässigt worden waren, werden sie derzeit vom neuen Besitzer, der BerlinHaus Verwaltung GmbH, einer unreflektierten Sanierung unterzogen, bei der viele charakteristische Gestaltungsmerkmale Hejduks beseitigt werden.

Mit dem üblichen Marklersprech – „Wohnen mit Geschmack“ und „Wohnungen im Bauhausstil“ (sic!) – werden die Wohnungen derzeit als Eigentumswohnungen vermarktet. Die Sprache entlarvt die Ignoranz gegenüber der architekturhistorischen Bedeutung des Gebäudeensembles, das wenig mit dem Bauhausstil zu tun hat. Vielmehr weisen u.a. die anthropomorphe Gestaltung oder die Farbpalette der Fassade auf seine postmoderne Entstehungszeit hin. Die Renderings der Hausverwaltung zeigen jedoch den Versuch, die Architektur Hejduks in eine vermeintliche „weiße Bauhausmoderne“ zu verwandeln, garniert mit modischen Violetttönen, der Farbe der letzten Saison.

Um gegen diese geschmacklose Zerstörung einer differenzierten Architektursprache zu protestieren, können Sie sich in eine Online-Petition eintragen:

www.petitiononline.com/hejduk/petition.html

Anh-Linh Ngo

Update: Inzwischen sind aufgrund des Protestes die Arbeiten gestoppt worden. Die Berlin Haus AG will nun bei den notwendigen Renovierungsarbeiten das ursprüngliche architektonische Konzept berücksichtigen. Siehe auch Artikel in ARCH+ 198/199.


 
Fotos: Theresa O.



Nach Besucherrekord wandert "Post-Oil City" von Stuttgart nach Berlin

POST-OIL CITY

Am 20.3.2010 ging mit der langen Nacht der Museen die erste Station der Ausstellung "Post-Oil City" in der ifa-Galerie zu Ende. Die begleitende Ausstellung zum aktuellen ARCH+ Heft "Post-Oil City" hat ein breites Medienecho ausgelöst (Pressespiegel) und innerhalb von sieben Wochen Laufzeit 10.300 Besucher angezogen. Der sensationelle Besucherzuspruch freut uns sehr. Hiermit laden wir Sie herzlich zur Eröffnung der nächsten Station von "Post-Oil-City" ein:

22.4.-18.7.2010
ifa-Galerie Berlin
Linienstraße 139/140
10115 Berlin

Donnerstag, 22. April 2010
Pressegespräch: 11 Uhr
Eröffnungsveranstaltung: 19 Uhr
Begrüßung: Barbara Barsch, ifa-galerie Berlin
Einführung: Nikolaus Kuhnert und Anh-Linh Ngo, Kuratoren, Redaktion ARCH+

Das Rahmenprogramm sieht eine Reihe von Veranstaltungen vor:

Freitag, 23. April 2010, 17 Uhr
Führung durch die Ausstellung
Anh-Linh Ngo

Freitag, 23. April 2010, 19 Uhr
Vortrag: "Die Utopien vom Blauen Planeten"
Prof. Thilo Hilpert

Donnerstag, 29. April 2010, 19 Uhr
Vortrag: "New Energy Sustainable Town (N.E.S.T.), Äthiopien"
Prof. Franz Oswald

Donnerstag, 6. Mai 2010, 19 Uhr
Vortrag: "Energie-Inkubator Tempelhof"
Prof. Raoul Bunschoten (CHORA) und Susan Draeger (Buro Happold)

Vermittlungsprogramm: KinderKunstProgramm
Sonntag, 13. Juni 2010, 11 – 13 Uhr
Willkommen in Wolkenkuckucksheim!
Ein Zukunftslabor für die Stadt nach dem Öl


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AS FOUND

This year's World in Denmark conference presents 5 key note speakers from landscape architecture, urban design and urbanism whose work contributes with significant new perspectives on the way we transform the everyday urban landscape.

In landscape architecture and urbanism, architecture and heritage studies the concept site is gaining increasing attention. What is found on the site, the uses and the interpretations of it have become determining aspects for the theoretical investigation as well as the design, preservation and transformation of the post-industrial urban landscape.

In two back issues ARCH+ has dealt with the notion of an everyday urbanism which was called "Convertible City" (ARCH+ 180) or "Situational Urbanism" (ARCH+ 183). The existing urban form is seen as a ready-made that can be redesign in a creative way. This argument refers clearly to the "As Found" principle of Alison and Peter Smithson, both members of the London Independent Group and of Team X. They propagated a critical acceptance of the ordinary and existing situation as a positive force and as the foundation for a contemporary identity and design approach.

"As Found" is the optic through which the conference at Copenhagen University 17.-19. June 2010 will revisit the everyday urban landscape. Come and hear scholars and designers from a wide range of disciplines and countries reflect upon As Found-perspectives and strategies towards site. More: www.windk2010.dk

Online registration is open until 15 April.
Time: 17.-19. June 2010
Place: Copenhagen University, Forest & Landscape
Read more here: www.windk2010.dk
If you have questions or inquiries please do not hesitate to contact the organizers at windk@life.ku.dk


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