Luis Michal: In der Lehre beschäftigt ihr euch mit Interventionen im öffentlichen, halböffentlichen wie auch im privaten Raum. Diese setzt ihr vor allem dort um, wo sich Studierende aufhalten – sprich im Umfeld der Universität. Ich würde gerne über drei dieser Transformationsprojekte mit dir sprechen: Die Umnutzung des Heizkraftwerks der TU München, die Intervention im Ladencafé DON und den Schaukasten N1, ein Universitätsraum, den ihr zu einem Veranstaltungsraum umgebaut habt. Könntest du zunächst kurz die Entstehungsgeschichte des Heizkraftwerks erläutern?
Matthias Faul: Das Projekt Heizkraftwerk geht auf eine Initiative aus der Studierendenschaft zurück. Im Jahr 2021 haben wir das Stammgeländes der TU München in der Maxvorstadt erstmals zum Thema eines Entwurfsstudios gemacht. In Kleingruppen entwickelten die Studierenden einen Masterplan für das Gesamtareal. Dabei rückte das historische und heute leerstehende Heizkraftwerk auf dem Stammgelände von Friedrich von Thiersch aus dem Jahr 1910 in den Fokus. Zwei Studierende nahmen sich diesem Ort vertieft an und meinten, dass dieser außergewöhnliche Raum nach 17 Jahren Leerstand wieder zugänglich und erlebbar gemacht werden sollte. Durch gezielte Interventionen wie eine Heizkraftwerk-Party erzeugten sie erst einmal Aufmerksamkeit und machten das räumliche Potenzial sichtbar. Die dabei entstandenen Bilder dienten als Grundlage, um in den Dialog mit dem Präsidium der TU München zu treten, das daraufhin tatsächlich seine Unterstützung für eine Öffnung des Ortes signalisierte. Als nächstes wurde auf Grundlage der Studierendenarbeiten eine Machbarkeitsstudie durch ein externes Büro durchgeführt. Wir sehen unsere Aufgabe als Lehrende vor allem darin, die wichtigen Akteure zu vernetzen und Studierende den Zugang zu Entscheidungsträger*innen und Förderer zu ermöglichen, der ihnen sonst kaum zur Verfügung stünde.
Luis Michal: Welche Rolle spielt das Thema Finanzierung bei Initiativen wie dem Heizkraftwerk?
Matthias Faul: In den frühen Projektphasen ist der finanzielle Bedarf vergleichsweise gering. Für erste Interventionen haben aber mittlerweile Wege gefunden, Mittel über Förderer und Unterstützer*innen – teils auch aus der Privatwirtschaft – zu akquirieren und so studentische Projekte zu ermöglichen. Im späteren Verlauf bemühen wir uns zusätzlich um öffentliche Förderungen von Stadt und Bund. Allerdings merken wir, dass insbesondere bei konkreten baulichen Maßnahmen die Finanzierungsprozesse sehr langwierig sein können und Studierende dann oft nicht mehr am Projekt beteiligt sind, weil sie inzwischen andere Seminare belegen oder die Universität bereits verlassen haben.