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Die Siedlung wurde in den 1930er-Jahren angelegt. Doch nur einige Parzellen wurden damals mit Einfamilien- und Ferienhäusern bebaut. Der Rest blieb frei. Klausdorf wurde im Zweiten Weltkrieg zu ­großen Teilen zerstört und zu DDR-Zeiten zum Urlaubsort mit Betriebsferienbaracken ausgebaut. Bis heute ist der Mellensee ein beliebtes Feriendomizil. Trotz der ab 1990 vermehrt einsetzenden Bautätigkeit verfügt das Gebiet noch über freie Grundstücke. Auf einem solchen soll ein Wohnhaus entstehen.

Das Grundstück wurde in den 1960er-Jahren umzäunt, aber nie bebaut und bis 2016 nicht betreten. In den vergangenen fünf Jahrzehnten wuchsen dort flächendeckend zahlreiche sehr große Laub- und Nadelbäume, von denen kein einziger dem Neubau weichen sollte. Dafür wurde das Haus in seine einzelnen Bestandteile zerlegt und die Räume in die teils engen Nischen zwischen den Bäumen platziert. Um die Baumwurzeln zu schonen und die Bodenversiegelung auf ein Minimum zu reduzieren, wurde das Haus um 1,20 Meter angehoben und auf schmale Doppel-T-Stützen aufgeständert. Darauf lagert eine Bodenplatte aus Beton. Die Deckenplatte aus Holz wird durch schmale Stahlstützen getragen und mit Diagonalstreben ausgesteift.

Axonometrie / © Peter Grundmann
Der Neubau nistet sich gewissermaßen in den Freiräumen zwischen den Bäumen ein. / © Peter Grundmann
Die räumliche Ambivalenz lässt sich rein visuell nicht entschlüsseln. / © Peter Grundmann

So ergibt sich eine heterogen geformte Raumstruktur, die sich in den Lücken zwischen den Bäumen ausbreitet. Bewegt man sich durch das Haus, bewegt man sich auch zwischen den Bäumen. Eine umlaufende, ­teilweise semitransparente Glasfassade umschließt alle Räume des Hauses, das gänzlich ohne Innenwände auskommt. Die Räume stehen in einem größtmöglichen ­visuellen Kontakt mit dem Wald und den anderen Bereichen des Gebäudes. Im Zentrum befindet sich ein Patio, der als Umgang dient und die einzelnen Räume miteinander verbindet. Auf einen Sonnenschutz wird verzichtet, da der dichte Baumbestand im Sommer für eine ausreichende Verschattung sorgt. Im Winter, wenn die Laubbäume ihre Blätter verlieren, ist die Sonneneinstrahlung gewollt. Beheizt wird das Haus mit einer Luftwärmepumpe.

Alle Architekturelemente – Stützen, Diagonalstreben, Rahmen, Fassade, Betonfußboden und Holzdecke – sind unverkleidet, sie liegen also radikal offen. Dadurch ergeben sich komplexe Überlagerungen zwischen innen und außen, zwischen den gebauten Räumen und dem gewachsenen Wald, zwischen Konstruktion und Umgebung. Obwohl die Raumstruktur aus dem Kontext abgeleitet und die Konstruktion nach logischen Prinzipien entwickelt ist, lässt sich das räumliche Erlebnis rein visuell nicht entschlüsseln. Je nach Standpunkt geht das Haus im Kontext auf oder wirkt wie eine Verdichtung des Ortes. Es bleibt ambivalent, ob das Haus den Ort oder der Ort das Haus beherrscht.

Nutzung (Größe): Wohnhaus (142 m²)
Architektur: Peter Grundmann Architekten
Bauherr: privat
Ort: Klausdorf am Mellensee, Brandenburg
Entwurfsteam: Peter Grundmann; Julie Guiomar, Lisa Houthan, Franziska Müller, Paul Nickel, Thomas Pohl, Joshua Singer, Lasslo Trepak, Uwe Zinkahn
Tragwerksplanung: Jens Quittenbaum
Jahr: 2017/18

 

Peter Grundmann: Haus Mischke-Götzinger
Die Fassade weicht vor den Bäumen zurück. / © Peter Grundmann

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