In einer Zeit, in der die demokratische Gesellschaftsordnung durch populistische Bewegungen und Regierungen von unten wie von oben in die Zange genommen wird, kann sie nur Bestand haben, wenn wir dem Populismus eine eigene Idee von Gemeinschaftlichkeit und gelungene Modelle pluralistischer Beteiligung entgegensetzen.
Gerade jetzt, wo die Faszination für autoritäre, scheinbar einfache Antworten bis weit in die Mitte der Gesellschaft vordringt und die mühsame Aushandlung von Kompromissen verunglimpft wird, müssen demokratische Prozesse gestärkt und der Nutzen echter politischer Partizipation betont werden. Zu der Frage, in welcher Weise sich die Wünsche und legitimen Interessen der Einzelnen in ein gemeinschaftliches und gesellschafts-relevantes Projekt überführen lassen, haben Architektur und Stadtplanung vielfältige Modelle entwickelt. Diese Werkzeuge könnten auch für den politischen Diskurs insgesamt bedeutsam sein. Planen heißt in diesem Sinne eine pluralistische Willensbildung in ein gemeinsames Projekt zu übersetzen – ein Instrument der demokratischen Teilhabe. Im Gespräch mit Anh-Linh Ngo berichten Sabine Müller (SMAQ), Alexander Römer (ConstructLab) und Andrea Hofmann (raumlaborberlin / ZUsammenKUNFT Berlin eG) von ihren Erfahrungen und stellen die neuen Planungsinstrumente am Beispiel des Haus der Statistik am Alexanderplatz und des Dragonerareals in Kreuzberg vor – zwei Projekte, in denen große gesellschaftliche Fragen über das Zusammenleben in der Stadt neu ausgehandelt werden.