Seit 2015 hält Andrew Esiebo mit seiner Fotoserie Mutations den urbanen Wandel von Lagos fest – Afrikas bevölkerungsreichster Stadt, deren Einwohnerzahl bis 2035 auf über 30 Millionen prognostiziert wird. In Esiebos Fotografien verdichten sich informelle Strukturen, koloniale Hinterlassenschaften, großmaßstäbliche Infrastrukturen und kleinteilige, improvisierte Eingriffe zu einem vielschichtigen urbanen Gefüge. Trotz mangelhafter Planung und zunehmender Verdrängung behaupten Bewohner*innen ihren Platz im Stadtraum: Fußgänger*innen bahnen sich Wege ohne Gehsteige, Schnellstraßen verwandeln sich in Abstellflächen für den Güterverkehr, und geräumte Siedlungen werden von ihren widerständigen Bewohner*innen immer wieder neu aufgebaut. Die Fotoserie macht diese alltäglichen Aneignungsprozesse sichtbar und richtet den Blick auf die Gleichzeitigkeit von Ordnung und Improvisation, Zerstörung und Resilienz. Im Zentrum steht nicht die spektakuläre Stadtentwicklung, sondern der alltägliche Überlebenswille, mit dem die Bewohner*innen von Lagos eine fragmentierte, doch lebendige Urbanität erschaffen. MAK