0

Was sind Metadaten?

[…] Das Konzept des Metadatums ist offenbar erstmals von Philip Bagley in einem 1968 erschienenen Buch über Konzepte zur Erweiterung von Programmiersprachen eingeführt worden. Diese Metadaten haben nichts mit denen zu tun, die man gegenwärtig in der Diskussion über die Datensauger der Geheimdienste, etwa PRISM, Tempora und so weiter, als solche bezeichnet, weil sie Adressen der Kommunikation in Netzwerken elektronischer Medien sammeln, ohne auch die Inhalte dieser Kommunikation zu erfassen. Diese „Metadaten“ sind bloße Verknüpfungsdaten, die nach Bagleys Konzept der Metadaten ihrerseits mit geeigneten Filtern allererst sortiert und codiert werden müssen, um aussagekräftig zu werden.

In der Informatik geht es bei Metadaten darum, Konzepte zu finden, die Daten sowohl zu unterscheiden als auch zu vergleichen, sowohl zu listen als auch zu gruppieren erlauben. Je nach Verwendungszusammenhang und Verwertungsinteresse können dabei der Typ des Datums (Text, Zahl, Bild, Programm), die möglichen Werte des Datums (Alphabet, Numerik, Kontraste, Funktionen), der Definitionsbereich des Datums (Gegenstandsbereich, Domain), die Zugänglichkeit des Datums (Code) und nicht zuletzt die möglichen Aktionen des Datums (Operationen) bestimmt und unterschieden werden. Schon hier beginnt eine Wissenschaft, in der sich nichts von selbst versteht (schon gar nicht die gerade gewählte Unterscheidung und Beschreibung der Eigenschaften und Strukturen von Daten) und in der Lösungen für Detailfragen gefunden werden müssen, auf die man ohne die Problemstellung einer Algorithmisierung nicht aufmerksam geworden wäre. Nicht die kleinste Pointe hierbei wäre, dass man in sozialen Zusammenhängen und daher auch bei der sozialen Verwendung von Daten (und was wäre eine „nicht-soziale“ Verwendung?) zwischen Daten und Metadaten immer nur fallweise, vorübergehend und beobachterabhängig unterscheiden kann. Schon im nächsten Moment, in einem anderen Fall oder für einen anderen Beobachter werden Metadaten zu Daten und können Daten als Metadaten befragt werden. Logiker, die geneigt sind, sich an Typentheorien, also stabile Objekt- und Meta­ebenenunterscheidungen à la Bertrand Russells und Alfred North Whiteheads Principia Mathematica, zu halten, verwirrt dies. Netzwerktheoretiker, die es mit skalierbaren und fraktalen, also in ihrer Leistung steigerbaren und selbstähnlichen Phänomenen zu tun haben, fangen jedoch erst unter dieser Bedingung an, mit einem solchen Konzept zu arbeiten.

To continue reading this article ...

Buy this issue as a digital or print version
Or opt for one of our subscription offers

Subscribe to our newsletter

Stay updated and unlock exclusive offers!

Next Article
Essay
S. 92–103

Sind wir noch Menschen? 
Anmerkungen zur Archäologie des Designs

Beatriz Colomina, Mark Wigley
Previous Article
Essay
S. 72–81

Die Geheimnisse der Macht: 
Über die Entwicklung 
westlicher Rechennormen

Matteo Pasquinelli