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Um zu verstehen, wie Algorithmen Netzwerke fragmentieren, untersucht dieser Aufsatz ein fundamentales Axiom der Netzwerk­forschung: Homophilie, das Prinzip, wonach
 Ähnlichkeit Verbindungen erzeugt. Homophilie unterstützt den Zusammenbruch von scheinbar offenen und grenzenlosen Netzwerken in eine Aufeinanderfolge von gated communities, deren Grenzen kaum aufrechtzuhalten sind.

Dieser Prozess wird durch eine agentenbasierte Marktlogik beschleunigt, die in den Systemen der Datensammlung implementiert ist. Wenn Netzwerke segregieren, dann weil Netzwerkanalysen auf einer reduktionistischen Identitätspolitik aufbauen und sie bestätigen. In dieser Politik sind Rasse und Geschlecht als unveränderliche Kategorien definiert und Liebe wird als Liebe unter Gleichen postuliert. Um diesen Annahmen etwas entgegenzusetzen, hebt dieser Aufsatz den performativen Charakter von Netzwerken hervor. Netzwerke verwirklichen beständig, was sie nur zu beschreiben vorgeben. Anstatt dies als irreführend oder falsch zu beklagen, ist es ebenso möglich, diese fundamentale Performativität ernst zu nehmen und Systeme herzustellen, welche die Fluidität von Identität wie von Netzwerken anerkennen. Was würde geschehen, wenn Netzwerkforschung und Kritische Theorie, insbesondere die Critical Ethnic Studies, aufeinanderträfen und sichtbar würde, dass das, was als Liebe verkleidet wird, tatsächlich oft Hass ist? Welche andere Art von Politik und von Konflikten könnte sich daraus ergeben?

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