Die anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine, die Krimkrise, der Widerstand der USA und anderer europäischer Staaten gegen die neuen Gaspipelines Nord Stream 1 und 2, die Deutschland direkt mit russischem Gas versorgen beziehungsweise in Zukunft versorgen sollen, sind geopolitische Folgen von Infrastruktur-Entscheidungen, die weit in die Zeit des Kalten Krieges zurückreichen. Denn entgegen dem Narrativ des Eisernen Vorhangs waren Ost- und Westeuropa, was die Infrastruktur angeht, stets eng vernetzt. Am Beispiel des Baltikums lässt sich die politische Langzeitwirkung infrastruktureller Räume anschaulich aufzeigen und eine langfristige objektorientierte Architektur diskutieren, die das aufgreift, was Keller Easterling als die „infrastrukturelle Matrix“1 beschreibt.