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Theo Deutinger, Philipp Oswalt, Timo Panzer (Hrsg.): Ruhrmoderne 1967/2017 – Ein kurzer Sommer der Utopie Foto: Nico Buurman

Wir freuen uns, dass die Herausgeber Theo Deutinger, Philipp Oswalt und Timo Panzer 10 Exemplare der Publikation zur Geschichte der IBA 1967 und der 2017 stattgefundenen Ruhrmoderne-Sommerakademie als Aboprämie gestiftet haben.

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Ruhrmoderne 1967/2017 – Ein kurzer Sommer der Utopie

Hrsg. von Theo Deutinger, Philipp Oswalt, Timo Panzer
kassel university press, 18 €, 385 Seiten
Design: Joscha Bauer, Nico Buurman, Johannes Stüber (Kunsthochschule Kassel, Studio Redaktionelles Gestalten, betreut von Prof. Gabriele Franziska Götz, Künstlerische Mitarbeit Milena Albiez) 

1956 initiierte die nordrhein-westfälische Landesregierung unter dem Titel Ruhr City eine Internationale Bauausstellung für das wachsende nördliche Ruhrgebiet. Ziel war es, einen baulichen Ausdruck für die neu entstandene freiheitlich demokratische Ordnung zu finden und so einen Bruch mit der nationalsozialistischen Stadtplanungsphilosophie zu bewirken. Wichtige Parameter dieser neuartigen Stadt waren Multifunktionalität, Großmaßstäblichkeit, Fortschrittsoptimismus. An den Wettbewerbsausschreibungen beteiligten sich international renommierte Architekten wie Alvar Aalto, Arne Jacobsen, Kiyonori Kikutake oder Jo van den Broek und Jaap Bakema, die neue Typologien wie Shopping-Center, Terrassenhäuser oder das „demokratische Rathaus“ als Manifestierung der neuen Gesellschaftsordnung entwarfen. Die einzelnen Schauplätze der Ruhr City, im Kern die Stadtzentren von Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen, Marl und Wulfen sowie die Ruhr-Universität Bochum, sollten durch ein Schnellbahnnetz zu einer weitläufigen Infrastruktur mit viel Freiraum verbunden werden. Bei dem Konzept spielte die Energieversorgung durch den Bau eines neuen Kernkraftwerkes in Hamm ebenfalls eine entscheidende Rolle. Bedingt durch die sich ab Mitte der 1960er-Jahre abzeichnende Wirtschaftskrise in der Bundesrepublik und spätestens vor dem Hintergrund der weltweiten Ölkrise 1973 wurde das IBA-Projekt vorzeitig abgebrochen: Entgegen der Prognosen aus den 1960er-Jahren stagnierte die Bevölkerungsentwicklung im Ruhrgebiet, zahlreiche Großprojekte wie das Schnellbahnsystem wurden nie umgesetzt, stattdessen rückte ökologisches Bauen in den Fokus des Diskurses.

Die Auswirkungen des Scheiterns der Ruhr-City sind bis heute am ehesten in Marl abzulesen. Die in den 1930er-Jahren aus Dörfern und Arbeitersiedlungen des damals neu gegründeten Chemieparks zusammengewachsene Stadt verzeichnete nach dem Zweiten Weltkrieg noch ein signifikantes Bevölkerungswachstum, weshalb im Zuge der IBA-Wettbewerbe ein neues Stadtzentrum mit Rathaus, Schwimmbad, mehreren Schulen und Wohnanlagen für 100.000 Einwohner entstand. Diese Zahl wurde nie erreicht, und da das Schnellbahnnetz nicht realisiert wurde, konnte die Stadt auch nie hinreichend an die Metropolregion Ruhrgebiet angeschlossen werden. Die aus dieser Fehlplanung resultierenden Auswirkungen sind dauerhafter Leerstand, Verfall und vereinzelter Abriss, obgleich es sich vielfach um herausragende Beispiele der Nachkriegsmoderne handelt.

Das Buch Ruhrmoderne 1967/2017 – Ein kurzer Sommer der Utopie in Marl basiert auf den Ergebnissen der Sommerakademie, die 2017 von Theo Deutinger und Philipp Oswalt initiiert wurde und mit Architektur- und Kommunikationsdesignstudierenden aus Münster und Kassel in der seit 2009 leerstehenden Hauptschule Marls stattfand. Ziele der Akademie waren eine Sensibilisierung für den fortschreitenden Verfall der IBA-Überreste, das Hervorheben der Qualitäten des Stadtzentrums von Marl und anderer realisierter Projekte und das Aufzeigen von Lösungen für den Erhalt moderner Bauwerke. Unterteilt in vier Kapitel hält die Publikation aber nicht nur den Ablauf und die Ergebnisse der Sommerakademie fest, sondern gibt detaillierte Einblicke in die Entwicklung der Stadt über die letzten 50 Jahre und lässt über mögliche Zukünfte Marls nachdenken.

Im ersten Teil der Publikation zeichnen unter anderen Deutinger und Oswalt die Geschichte der vergessenen IBA 1967 und Alexandra Apfelbaum die Entstehung des Marler Rathaus von Van den Broek en Bakema nach. Auch Erfahrungsberichte über das Leben in der Stadt geben persönliche Einblicke in die Entwicklung der Stadt. Ein Fotoessay über die wiederbelebte Hauptschule von Günter Marschall von 1966/67, die von den Studierenden während der ersten Woche der Sommerakademie mit temporären architektonischen Eingriffen als Ausstellungsraum „Marschall 66“ nutzbar gemacht wurde, offenbart räumliche Qualitäten des Bestands und weist auf potentielle Nutzungskonzepte für die Zukunft hin. Auch das Plädoyer von Georg Elben, Direktor des Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, das im Sommer 2017 mit der Ausstellung The Hot Wire eine Kooperation mit dem Skulptur Projekte Münster einging, erdenkt ein Szenario von Marl als Destination für Architektur- und Kunsttouristen. Elben sieht in der Wechselwirkung von moderner Architektur und im Außenraum ausgestellten Skulpturen ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt. Entwürfe der Studierenden wiederum wollen etwa mit dem Umbau großmaßstäblicher, öffentlicher Typologien wie dem größtenteils leerstehenden Einkaufszentrum Marler Stern dem Schrumpfen der Stadt entgegenwirken.

Diese umfassende Sammlung von Analysen und Positionen zum Umgang mit einer überdimensionierten, aber dennoch architektonisch qualitätsvollen Innenstadt ist sehr spezifisch und weist einen Weg in die Zukunft für Marl und die anderen Standorte der Ruhrmoderne. Die Ideen bieten aber auch Übertragbarkeit auf andere westdeutsche Innenstädte, die von den Grundsätzen der autogerechten Stadt und modernistischen Großformen geprägt sind.

Jann Wiegand

 

 

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