ARCH+ 69/70


Erschienen in ARCH+ 69/70,
Seite(n) 89

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Der neue Traditionalismus

Von Vidler, Anthony

Der neue Traditionalismus

Die Rückkehr zum Klassizismus, die Suche nach dem Vernakulären, die Identifizierung mit dem Regionalen: Obwohl seit langem in die Architekturtradition eingebettet, treten diese Vorstellungen heute stärker und schärfer in den Vordergrund, in einer Zeit, in der die Moderne mit den schlimmsten Exzessen industrieller Produktion gleichgesetzt wird und in der es den kulturellen Opportunisten gelungen ist, mit abstrakten Formen aus der Schwäche des Marktes Kapital zu schlagen. Die scheinbar bewährten Prinzipien der klassischen Architektur, ihre Einbettung in den begrenzten Wortschatz altbekannter Elemente, der „natürliche" Charakter des Vernakulären — den unbewußten Bedürfnissen eines unmittelbaren, von Theorie und Markt unberührten Nutzers entsprungen — ,das „organische Wesen" regionaler Traditionen: All dieses birgt in sich das Versprechen einer stabileren, einfacheren und behaglicheren Welt für jene, die die lange erstrebte Allianz zwischen Moderne und Industrie ablehnen. Eine solche Rückkehr zu den Ursprüngen ist nichts Neues in der Architekturgeschichte — Vitruv selbst ist der Beweis dafür - , doch müssen die gegenwärtigen Ideologen der Tradition streng von ihren aufgeklärten, romantischen, historizistischen oder totalitären Vorläufern unterschieden werden. …

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