ARCH+ 53


Erschienen in ARCH+ 53,
Seite(n) 21-25

ARCH+ 53

Heinrich Tessenow

Von Posener, Julius

4. Vorlesung

Die Architektur der Reform (1900 - 1924)

Wir haben von dem Handwerker Tessenow gesprochen und haben ihn mit Morris verglichen. Wir haben dabei festgestellt, daß Morris das schöne Einzelstück gemacht hat, die Handarbeit als Kunstwerk - obwohl er, will sagen die Firma Morris und Co, nicht davon gelebt hat, sondern von den Morris-Tapeten, also von Serien-Erzeugnissen. Es sei ihm, sagten wir, letztenendes auf die Kunst angekommen. Tessenow dagegen habe das Handwerk gewollt, die handwerkliche Gesinnung als Grundlage einer mittelständischen Kultur. Aber obwohl er davon gesprochen hat, daß jedermann, von der Schule an, auch praktisch mit der handwerklichen Arbeit immerhin in Berührung kommen sollte, hat er selbst zwar bei seinem Vater das Zimmerhandwerk gelernt - ebenso wie Muthesius bei seinem Vater das Mauern gelernt hat -; aber er hat nicht, wie Morris, selbst an der Werkbank gestanden. Er war Architekt; und ursprünglich hatte er Lehrer werden wollen. Von dem Widerspruch, der in dem Wollen liegt, eine handwerklich-mittelständische Kultur in der Zeit des Monopolkapitalismus verwirklichen zu wollen ist sein eigenes Sein urid Tun nicht unberührt...

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