ARCH+ 53


Erschienen in ARCH+ 53,
Seite(n) 58-63

ARCH+ 53

Bruno Taut - Vor 1914

Von Posener, Julius

11. Vorlesung

Die Architektur der Reform (1900 - 1924)

Diese Vorlesungen fangen an, etwas verwirrend zu werden: Da habe ich Poelzig zuerst bis in die Puppen gelobt, und dann habe ich ihn kritisiert als einen, der seine Zeit nicht verstanden habe, weder die technische noch die soziale Evolution oder, wenn Sie vorziehen, Revolution. Ein noch weniger klares Bild habe ich von Taut gegeben. Sein Glashaus auf der Kölner Werkbundausstellung habe ich in einer früheren Vorlesung das einzige Kunstwerk unter den Bauten der Ausstellung genannt; dann habe ich neulich dieses gleiche Glashaus mit dem Gedanken des Kristalls, der Vollendung - und des Todes-in Zusammenhang gebracht und Taut selbst mit seinem Satz zu Worte kommen lassen; »Die Kunst will ein Abbild des Todes sein.« »Aber«, fuhr ich fort, »glauben Sie nicht, daß Taut sich in den berühmten >mystischen Abgrund< der Kunst - und des Todes - vergraben habe. Er hat nicht nur den Meister Ekkehard gelesen - und wohl auch Rilke - er las auch Kropotkin, den Anarchisten; wollte also eine neue Gesellschaft und glaubte nach 1918 den Augenblick gekommen, die neue Gesellschaft zu verwirklichen...

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